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Listeriose

 
Eine vielseitige Erkrankung mit unterschiedlichen Krankheitsbildern

 

Die Listeriose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Listeria monocytogenes verursacht wird. Der Erreger ist in der Umwelt weit verbreitet und kann unter anderem in Erde, Pflanzen, Wasser und Fäkalien vorkommen.

 

Für Ziegen ist die Erkrankung vor allem deshalb bedeutsam, weil sie unterschiedliche Krankheitsbilder hervorrufen kann. Besonders bekannt ist die neurologische Form, daneben können unter anderem Aborte, Totgeburten und Erkrankungen neugeborener Tiere auftreten.

 

 

 

Wie kommt es zur Infektion?

 

Listerien können von Ziegen über kontaminiertes Futter und die Umwelt aufgenommen werden.

 

Eine besondere Bedeutung wird traditionell mangelhafter oder verdorbener Silage zugeschrieben. Listerien können sich insbesondere in schlecht fermentiertem Futter vermehren. Deshalb ist bei der Fütterung von Silage auf eine einwandfreie Qualität und eine sachgerechte Herstellung und Lagerung zu achten.

 

Aber auch ohne Silagefütterung ist eine Infektion nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Der Erreger ist in der Umwelt weit verbreitet und kann beispielsweise über Erde, Pflanzenmaterial oder andere kontaminierte Futtermittel aufgenommen werden.

 

Verdorbenes, verschimmeltes oder auffällig verändertes Futter sollte grundsätzlich nicht verfüttert werden.

 

 

 

Welche Krankheitsbilder können auftreten?

 

Bei Ziegen können verschiedene Formen der Listeriose auftreten. Besonders wichtig sind:

 

 

Neurologische Listeriose

 

Diese Form betrifft das zentrale Nervensystem und kann sich zunächst relativ unspezifisch zeigen.

 

Mögliche Krankheitsanzeichen sind:

  • Fressunlust

  • Teilnahmslosigkeit

  • Fieber

  • unsicherer Gang

  • Gleichgewichtsstörungen

  • Kreiseln

  • schiefer Kopf

  • ungewöhnliche Kopf- oder Körperhaltung

  • Lähmungserscheinungen, insbesondere im Gesichtsbereich

  • Schwierigkeiten beim Kauen oder Schlucken

  • vermehrter Speichelfluss

  • Festliegen

     

Die neurologischen Symptome können durch eine Entzündung des Gehirns beziehungsweise des Hirnstamms entstehen. Bei schwer erkrankten Tieren kann die Erkrankung tödlich verlaufen.

 

Auffällige neurologische Symptome sind immer ein Grund für eine umgehende tierärztliche Untersuchung.

 

 

 

Listeriose im Zusammenhang mit der Trächtigkeit

 

Listerien können bei trächtigen Ziegen zu Aborten, Totgeburten oder zur Geburt lebensschwacher Kitze führen.

 

Ein Abort kann dabei auftreten, ohne dass die Mutterziege zuvor deutliche Krankheitsanzeichen zeigt. Nach einem Abort können Entzündungen der Gebärmutter auftreten.

 

Gerade bei wiederholten oder gehäuften Aborten sollte deshalb neben anderen möglichen Ursachen auch eine infektiöse Ursache abgeklärt werden.

 

 

 

Septikämische Form

 

Bei einer schweren systemischen Infektion kann es zu einer Blutvergiftung (Septikämie) kommen.

 

Betroffene Tiere können beispielsweise:

  • Fieber entwickeln,

  • deutlich weniger oder gar nicht fressen,

  • apathisch wirken,

  • schnell geschwächt werden

  • und innerhalb kurzer Zeit schwer erkranken oder verenden.

     

Auch bei neugeborenen Tieren sind schwere, teilweise tödlich verlaufende Infektionen möglich.

 

 

 

Wann sollte der Tierarzt verständigt werden?

 

Bei Verdacht auf Listeriose sollte unverzüglich eine Tierärztin oder ein Tierarzt hinzugezogen werden.

 

Besonders ernst zu nehmen sind:

  • plötzlich auftretende neurologische Auffälligkeiten

  • Kreiseln oder deutliche Gleichgewichtsstörungen

  • schiefer Kopf

  • Lähmungserscheinungen

  • Schwierigkeiten beim Kauen oder Schlucken

  • ausgeprägter Speichelfluss

  • ungeklärte Aborte oder Totgeburten

  • mehrere erkrankte oder verendete Tiere

     

Eine möglichst frühzeitige tierärztliche Untersuchung ist wichtig, da verschiedene Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen können und eine sichere Diagnose gegebenenfalls eine labor- beziehungsweise pathologische Untersuchung erfordert.

 

 

 

Vorbeugung beginnt bei der Fütterung

 

Eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung ist die Kontrolle der Futtermittelqualität.

 

Insbesondere bei Silage sollte auf eine einwandfreie Herstellung, ausreichende Fermentation, sachgerechte Lagerung und hygienische Entnahme geachtet werden.

 

Achten Sie auf:

  • einwandfreie Futterqualität

  • keine sichtbaren Schimmelstellen

  • keine fauligen oder stark verdorbenen Bereiche

  • saubere Futtervorlage

  • hygienische Futterlagerung

  • Vermeidung von Verschmutzungen durch Erde oder Kot

  • regelmäßige Kontrolle der Futterstellen

 

Auffälliges oder verdorbenes Futter sollte nicht an die Tiere verfüttert werden.

 

 

 

Listeriose und Milchziegenhaltung

 

Für Milchziegenhalter hat Listeriose eine zusätzliche Bedeutung.

 

Listeria monocytogenes kann auch über Milch ausgeschieden werden. Deshalb sind bei Erkrankungsverdacht insbesondere Hygiene und ein sorgfältiger Umgang mit Milch und Milchprodukten wichtig.

 

Listerien können beim Menschen schwere Erkrankungen verursachen. Besonders gefährdet sind unter anderem Schwangere, ältere Menschen sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

 

Für Betriebe, die Milch oder Milchprodukte erzeugen und vermarkten, sind deshalb neben der Tiergesundheit auch die entsprechenden lebensmittelhygienischen Anforderungen zu beachten.

 

 

 

Was tun bei einem Verdachtsfall?

 

Bei einem Verdacht auf Listeriose sollte das betroffene Tier möglichst ruhig gehalten und von den anderen Tieren getrennt werden, soweit dies ohne zusätzlichen Stress möglich ist.

 

Bis zur tierärztlichen Abklärung sollte insbesondere auf eine gute Hygiene geachtet werden.

 

Bei Aborten oder Totgeburten sollten Fötus und Nachgeburt nicht ungeschützt entsorgt oder unnötig angefasst werden. Sie können für die diagnostische Untersuchung wichtige Informationen liefern.

 

Die weitere Vorgehensweise – einschließlich Probenahme, Behandlung und gegebenenfalls notwendiger Hygienemaßnahmen – sollte mit der betreuenden Tierarztpraxis abgestimmt werden.

 

 

 

Eine wichtige Differenzialdiagnose

 

Neurologische Symptome wie Kreiseln, Gleichgewichtsstörungen oder Lähmungserscheinungen können auch bei anderen Erkrankungen auftreten.

 

Daher gilt: Nicht jede Ziege mit neurologischen Symptomen hat Listeriose.

 

Eine sichere Diagnose kann häufig erst durch eine tierärztliche Untersuchung und gegebenenfalls durch Labor- oder pathologische Untersuchungen gestellt werden.

 

Gerade bei plötzlich auftretenden neurologischen Symptomen ist deshalb eine schnelle tierärztliche Abklärung entscheidend.

 

 

 

Gut zu wissen

 

Listerien sind widerstandsfähige Umweltkeime und kommen auch bei gesunden Tieren und in der Umwelt vor. Das allein bedeutet nicht, dass ein Tierbestand erkrankt ist. Entscheidend sind deshalb vor allem Futterqualität, Hygiene, eine gute Tierbeobachtung und das frühzeitige Erkennen von Krankheitsanzeichen.

Eine Impfung gegen Listeriose steht für Ziegen nicht als allgemeine Prophylaxemaßnahme zur Verfügung.

 

 

 

Hinweis

Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung.

Bei Krankheitsverdacht, insbesondere bei neurologischen Symptomen, Aborten, Totgeburten oder plötzlich auftretenden Todesfällen, sollte unverzüglich eine Tierärztin oder ein Tierarzt hinzugezogen werden.

 

 

 

Weiterführende Informationen

 

 

 

 

 

 

 

Kontakt

Ziegenzuchtverband Bayern e.V.

(ZVB e.V.)
Senator Gerauer Str. 23a

85586 Poing-Grub

 

Telefon 089 537856

Fax 089 54887671
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