Tetanus
Wundstarrkrampf – eine vermeidbare, aber lebensgefährliche Erkrankung
Tetanus, auch Wundstarrkrampf genannt, ist eine schwere Erkrankung, die durch das Bakterium Clostridium tetani verursacht wird. Der Erreger bildet widerstandsfähige Sporen, die nahezu überall in der Umwelt vorkommen, insbesondere im Boden. Diese Sporen können über viele Jahre überdauern.
Ziegen gehören zu den für Tetanus empfänglicheren Tierarten. Eine Infektion entsteht in der Regel nicht durch die Aufnahme des Erregers über das Futter, sondern dadurch, dass Sporen über eine Wunde in den Körper gelangen. Unter sauerstoffarmen Bedingungen können sich die Bakterien vermehren und das hochwirksame Tetanus-Neurotoxin bilden.
Wie kommt es zu einer Infektion?
Grundsätzlich kann bereits eine kleine oder äußerlich kaum erkennbare Verletzung als Eintrittspforte dienen.
Besonders gefährdet sind Wunden, in denen sich durch Gewebeschädigung oder Verschmutzung sauerstoffarme Bereiche bilden.
Mögliche Eintrittspforten sind beispielsweise:
Verletzungen durch Zäune oder andere Gegenstände
Biss- oder Stichverletzungen
tiefe Hautverletzungen
Wunden nach Eingriffen
Verletzungen im Bereich der Klauen
Nabelinfektionen bei Kitzen
Verletzungen nach der Geburt
nicht ausreichend versorgte Wunden
Auch nach eigentlich routinemäßigen Eingriffen kann grundsätzlich ein Infektionsrisiko bestehen.
Wichtig: Eine Wunde muss nicht groß oder offensichtlich stark verschmutzt sein, damit Tetanus entstehen kann.
Was passiert bei Tetanus?
Das Krankheitsbild wird nicht in erster Linie durch die Bakterien selbst verursacht, sondern durch das von ihnen gebildete Tetanus-Neurotoxin.
Das Toxin beeinflusst die Signalübertragung im Nervensystem und führt zu einer zunehmenden Verkrampfung der Muskulatur. Typisch sind eine erhöhte Muskelspannung und schmerzhafte Krämpfe.
Die Erkrankung kann sich nach einer zunächst unauffälligen Phase zunehmend entwickeln und anschließend sehr schwer verlaufen.
Krankheitsanzeichen bei Ziegen
Erste Anzeichen können zunächst unspezifisch sein. Im weiteren Verlauf treten typische Muskelverkrampfungen auf.
Mögliche Krankheitsanzeichen sind:
steifer, angespannter Gang
erhöhte Muskelspannung
Muskelzittern
Schwierigkeiten beim Kauen und Schlucken
erschwerte Futter- und Wasseraufnahme
nach hinten gerichtete oder ungewöhnlich steife Ohren
erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen und Berührungen
Krämpfe
zunehmend steife Körperhaltung
Festliegen
Bei fortschreitender Erkrankung können die Krämpfe immer stärker werden. Reize wie Berührung, Lärm oder plötzliches Licht können Krämpfe auslösen oder verstärken.
Tetanus ist ein Notfall
Besteht der Verdacht auf Tetanus, sollte unverzüglich eine Tierärztin oder ein Tierarzt hinzugezogen werden.
Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto eher können geeignete Maßnahmen eingeleitet werden. Bei bereits weit fortgeschrittenem Krankheitsverlauf ist die Prognose allerdings vorsichtig zu beurteilen.
Die Behandlung kann unter anderem die Versorgung der Eintrittswunde, die Gabe eines Tetanus-Antitoxins sowie weitere unterstützende und symptomatische Maßnahmen umfassen. Sie gehört ausschließlich in tierärztliche Hand.
Bis zum Eintreffen der Tierärztin oder des Tierarztes sollte das betroffene Tier möglichst wenig gestört werden. Unnötige Berührungen, Lärm und andere Reize sollten vermieden werden, da sie Muskelkrämpfe auslösen oder verstärken können.
Vorbeugen ist besonders wichtig
Tetanus lässt sich nicht durch eine Verbesserung der Stallhygiene vollständig verhindern, denn die Sporen von Clostridium tetani sind in der Umwelt weit verbreitet.
Eine wesentliche Rolle spielt deshalb die Impfung.
Die StIKo Vet berücksichtigt Tetanus in ihrer Impfleitlinie für Rinder und kleine Wiederkäuer. Für kleine Wiederkäuer stehen Clostridien-Impfstoffe zur Verfügung, die unter anderem eine Tetanus-Komponente enthalten können. Welche Impfung für den jeweiligen Bestand geeignet ist, sollte mit der betreuenden Tierarztpraxis abgestimmt werden.
Die StIKo Vet - Impfleitlinie zur Impfung von Rindern und kleinen Wiederkäuern:
Impfungen richtig planen
Ein wirksamer Impfschutz setzt eine korrekt durchgeführte Grundimmunisierung und regelmäßige Auffrischungen entsprechend dem verwendeten Impfstoff voraus.
Bei der Planung sollten insbesondere berücksichtigt werden:
Alter der Tiere
bisheriger Impfstatus
Nutzungsrichtung des Bestandes
Trächtigkeit und Ablammzeitraum
geplante Eingriffe
bestehende Risikofaktoren im Betrieb
verwendeter Impfstoff und dessen Fachinformation
Die aktuellen Anwendungshinweise des jeweiligen Impfstoffes sind unbedingt zu beachten.
Wichtig: Impfstoffe sind nicht beliebig austauschbar. Für Ziegen ist insbesondere zu prüfen, ob ein Impfstoff für diese Tierart zugelassen ist beziehungsweise ob eine Anwendung im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen nach den Regeln der Umwidmung erfolgt. Die StIKo Vet weist ausdrücklich darauf hin, dass auch für Indikationen ohne regulär zugelassenen Impfstoff entsprechende Möglichkeiten der Umwidmung bestehen können.
Wundversorgung nicht unterschätzen
Bei Verletzungen sollte grundsätzlich auf eine sorgfältige Wundversorgung geachtet werden.
Je nach Art und Schwere der Verletzung kann eine tierärztliche Behandlung erforderlich sein.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen:
tiefe Wunden
stark verschmutzte Wunden
Bissverletzungen
Stichverletzungen
Wunden mit abgestorbenem Gewebe
Verletzungen nach Eingriffen
Verletzungen an Klauen und Gliedmaßen
Eine gute Wundversorgung kann das Infektionsrisiko reduzieren, ersetzt jedoch keinen bestehenden Impfschutz.
Tetanus bei Kitzen
Auch bei jungen Tieren sollte Tetanus berücksichtigt werden.
Eine mögliche Eintrittspforte kann beispielsweise eine Nabelinfektion sein. Deshalb sind eine hygienische Geburtshilfe und eine sorgfältige Versorgung des Nabels wichtige Maßnahmen.
Bei Kitzen sollten außerdem Verletzungen und Wunden frühzeitig erkannt und entsprechend versorgt werden.
Der Aufbau eines eigenen aktiven Impfschutzes hängt vom Alter, Impfstoff und Impfplan ab. Bei Jungtieren muss daher besonders auf das abgestimmte Impfkonzept und gegebenenfalls den Schutz über maternale Antikörper geachtet werden.
Gut zu wissen
Tetanus wird nicht von Ziege zu Ziege übertragen.
Die Erkrankung entsteht, wenn Sporen von Clostridium tetani über eine geeignete Wunde in den Körper gelangen und dort unter günstigen Bedingungen Toxin gebildet wird.
Da die Sporen in der Umwelt weit verbreitet sind, kann eine vollständige Vermeidung des Kontakts nicht erreicht werden. Ein konsequenter Impfschutz und eine sorgfältige Wundversorgung sind deshalb die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung.
Tetanus und Clostridiosen
Tetanus gehört zur Gruppe der Clostridiosen. Anders als beispielsweise die Enterotoxämie betrifft Tetanus jedoch in erster Linie das Nervensystem und wird durch das Neurotoxin von Clostridium tetani verursacht.
Weitere Informationen zu Clostridienerkrankungen bei Ziegen finden Sie auf unserer Seite:
Hinweis
Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine tierärztliche Beratung.
Bei Verletzungen, auffälligen Krankheitsanzeichen oder Verdacht auf Tetanus sollte unverzüglich die betreuende Tierarztpraxis kontaktiert werden.
Für Impfungen sind stets die aktuelle Fachinformation und Gebrauchsinformation des verwendeten Impfstoffes sowie die tierärztliche Beratung maßgeblich.







