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Zuchtböcke

 
Den Zuchtbock gesund, sicher und ausgeglichen durch das ganze Jahr begleiten

 

Ein Zuchtbock ist nicht nur während der Decksaison ein Zuchttier. Die Grundlagen für seinen späteren Einsatz als Zuchtbock werden bereits während seiner Aufzucht gelegt. Eine gute Aufzucht und ein ruhiger, konsequenter Umgang mit dem Jungbock schaffen wichtige Voraussetzungen für seine körperliche Entwicklung, seine Gesundheit und insbesondere für einen sicheren und vertrauensvollen Umgang mit dem Menschen.

 

Wer einen solchen Jungbock später als Zuchttier übernimmt, kann auf dieser Grundlage aufbauen. Durch eine passende Haltung, bedarfsgerechte Fütterung, regelmäßige Gesundheitsvorsorge, ausreichend Bewegung und einen weiterhin ruhigen und respektvollen Umgang kann diese Basis erhalten und bestenfalls weiterentwickelt werden.

 

Gerade bei männlichen Tieren wird die Aufzucht und Haltung jedoch häufig weniger beachtet als bei weiblichen Zuchttieren. Dabei verdienen auch Jungböcke eine sorgfältige Aufzucht und Erziehung – denn aus ihnen sollen gesunde, leistungsfähige und gut zu handhabende Zuchtböcke werden.

 

Auch außerhalb der Decksaison braucht ein Zuchtbock deshalb mehr als einen trockenen Platz und Futter. Er benötigt Möglichkeiten zur Bewegung, zur Erkundung seiner Umgebung und zur Ausübung arttypischer Verhaltensweisen.

 

Ziegen sind soziale und neugierige Tiere. Eine verhaltensgerechte Haltung berücksichtigt deshalb nicht nur die Versorgung, sondern auch Bewegung, Sozialkontakte und den täglichen Umgang mit dem Tier.

 

 

 

Der Zuchtbock ist kein „Saisontier“

 

Ein Zuchtbock wird häufig vor allem unter dem Gesichtspunkt seines Einsatzes während der Decksaison betrachtet. Seine Haltung und Betreuung sollten sich jedoch nicht auf diese wenigen Wochen beschränken.

 

Ein zukünftiger Zuchtbock bringt bereits aus seiner Aufzucht wichtige Grundlagen mit. Körperbau, Fundament, Muskulatur, Gesundheitszustand und Verhalten entwickeln sich im Laufe der Aufzucht und weiteren Entwicklung. Auch der Umgang mit dem Menschen wird nicht erst dann gelernt, wenn der Bock zum ersten Mal zur Zucht eingesetzt werden soll.

 

Eine gute Aufzucht vermittelt deshalb nicht nur die körperlichen Voraussetzungen für die weitere Entwicklung. Sie kann auch dazu beitragen, dass ein Jungbock den Menschen, das Führen, Kontrollieren und notwendige Pflegemaßnahmen frühzeitig kennenlernt.

 

Wird ein solcher Bock später in einen anderen Zuchtbetrieb übernommen, kann der neue Halter auf diesen Erfahrungen aufbauen. Entscheidend ist dann, die vertraute Grundlage durch einen weiterhin ruhigen, verlässlichen und fachkundigen Umgang zu erhalten.

 

Die Aufzucht eines Zuchtbocks endet nicht mit dem Absetzen – sie legt die Grundlage für das Tier, das aus ihm wird.

 

 

 

Sozialkontakt – der Zuchtbock ist kein Einzelgänger auf Abruf

 

Ziegen sind soziale Tiere. Ihr Sozialverhalten umfasst unter anderem den Kontakt zu Artgenossen, Rangbeziehungen sowie gemeinsames Ruhen, Fressen und Erkunden. Haltungssysteme können diese Verhaltensweisen allerdings mehr oder weniger stark einschränken.

 

Auch ein Zuchtbock sollte deshalb nicht ganzjährig ohne Sozialkontakt und Bewegungsmöglichkeiten gehalten werden. Seine Haltung sollte sich nicht darauf beschränken, ihn erst zur Decksaison aus seiner Box zu holen.

 

Das bedeutet nicht, dass Zuchtböcke und weibliche Tiere gemeinsam gehalten werden müssen. Eine räumliche Trennung kann aus züchterischen, organisatorischen oder sicherheitsrelevanten Gründen sinnvoll sein. Entscheidend ist, dass dabei die sozialen Bedürfnisse des Tieres berücksichtigt werden.

 

Je nach Betriebssystem kann ein geeigneter und verträglicher Artgenosse als Sozialpartner dienen. Auch ein kastrierter Bock kann dafür infrage kommen, wenn die Tiere miteinander verträglich sind und ausreichend Platz zur Verfügung steht.

 

Eine andere Möglichkeit sind getrennte, aber unmittelbar benachbarte Haltungsbereiche. Dadurch können Sicht-, Hör- und Geruchskontakt zu Artgenossen erhalten bleiben, ohne dass die Tiere dauerhaft miteinander gehalten werden müssen.

 

Auch der Kontakt zu weiblichen Tieren kann Teil des sozialen Umfeldes eines Bocks sein, wenn die Haltungsbereiche sicher voneinander getrennt sind und eine unkontrollierte Fortpflanzung ausgeschlossen wird. Dabei muss insbesondere bei Zäunen und Abtrennungen berücksichtigt werden, dass Böcke auch aus benachbarten Bereichen Kontakt zur weiblichen Herde suchen können.

 

 

Aus der Praxis

Eine solche Haltung kann beispielsweise aus einem eigenen Bockstall mit Unterstand, Allwetterauslauf und Weidebereich bestehen, während die weiblichen Tiere einen eigenen Stall, Allwetterauslauf und Weidebereich haben. Liegen die Ausläufe unmittelbar nebeneinander, können beide Gruppen das ganze Jahr über Kontakt zueinander haben. - Wichtig sind dabei stabile und ausbruchsichere Abtrennungen.

Auch junge männliche Tiere können nach dem Absetzen oder bei zunehmendem Interesse an den weiblichen Tieren in einen geeigneten Bockverband wechseln. Das Zusammenleben mit erwachsenen, ausgeglichenen Böcken gibt ihnen die Möglichkeit, Sozialverhalten zu beobachten und im täglichen Miteinander Erfahrungen zu sammeln.

Eine solche Lösung ist kein allgemeingültiges Haltungssystem. Sie zeigt aber, dass Trennung und Sozialkontakt keine Gegensätze sein müssen.

 

 

 

Sozialkontakt braucht passende Bedingungen

 

Die Haltung mehrerer Böcke stellt gleichzeitig besondere Anforderungen an die Gestaltung des Haltungsbereichs.

 

Rangordnung und individuelle Verträglichkeit müssen berücksichtigt werden. Bei behornten Tieren können Rangauseinandersetzungen außerdem zu Verletzungen führen. Ausreichend Platz, geeignete Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten sowie eine passende Gruppenzusammensetzung können dazu beitragen, Konflikte zu reduzieren und Verletzungen zu vermeiden.

 

Gerade während der Fortpflanzungszeit können Konkurrenz- und Sexualverhalten stärker ausgeprägt sein.

Deshalb gilt:

Nicht jeder Bock passt zu jedem anderen Bock – aber ein ungeeigneter Einzelplatz ist nicht automatisch die bessere Lösung.

 

Die jeweilige Haltungsform sollte zum Charakter und zur Verträglichkeit der Tiere sowie zu den räumlichen Möglichkeiten des Betriebes passen.

 

 

 

Den Bock verstehen – Verhalten verändert sich

 

Mit zunehmendem Alter und insbesondere mit der Geschlechtsreife verändert sich das Verhalten eines Bocks. Während der Decksaison können Sexual- und Konkurrenzverhalten deutlich stärker hervortreten. Ein Bock, der außerhalb der Decksaison ruhig und umgänglich ist, kann deshalb während dieser Zeit aufmerksamer, unruhiger oder schwieriger zu führen sein.

 

Gerade deshalb ist der regelmäßige Umgang mit dem Bock über das gesamte Jahr wichtig.

 

Der Kontakt zum Menschen sollte nicht erst kurz vor oder während der Decksaison intensiviert werden. Ein Bock, der den Menschen auch außerhalb der Decksaison regelmäßig erlebt und einen ruhigen und respektvollen Umgang gewohnt ist, bringt diese vertraute Grundlage auch in die anspruchsvollere Phase der Fortpflanzungszeit mit.

 

Die Decksaison ist somit nicht die Zeit, in der der Umgang mit dem Bock beginnen sollte – sondern die Zeit, in der sich zeigt, wie wertvoll der ganzjährige Umgang mit ihm ist.

 

Deshalb sollte das Verhalten des Bocks über das gesamte Jahr beobachtet werden. Veränderungen in Verhalten, Körperkondition, Beweglichkeit oder Allgemeinbefinden können so frühzeitig erkannt und berücksichtigt werden.

 

 

 

Ruhig, klar und konsequent – aber niemals gewaltsam

 

Der Umgang mit einem Zuchtbock beginnt nicht erst dann, wenn er ausgewachsen ist.

 

Bereits beim Jungtier sollte der Kontakt zum Menschen ruhig, regelmäßig und vorhersehbar erfolgen. Das Tier sollte dabei die Erfahrung machen, dass der Kontakt mit dem Menschen ruhig und verlässlich abläuft und notwendige Maßnahmen wie Führen, Kontrollieren, Klauenpflege oder tierärztliche Untersuchungen in einem vertrauten Rahmen stattfinden.

 

Untersuchungen mit männlichen Ziegen zeigen, dass regelmäßiger positiver Umgang mit dem Menschen die Stressreaktionen bei späterer Handhabung verringern kann.

 

Gerade während der Geschlechtsreife können junge Böcke vermehrt Drängel-, Stoß- oder Konkurrenzverhalten zeigen und auch im Umgang mit dem Menschen schwieriger zu kontrollieren sein. Hier braucht es ruhige, klare und konsequente Führung.

 

Gewalt ist dafür kein geeigneter Weg.

 

Schlagen, Treten, grobes Wegdrängen oder andere gewaltsame Maßnahmen können Angst und Stress fördern und die Mensch-Tier-Beziehung beeinträchtigen. Ein fachkundiger und respektvoller Umgang schafft dagegen eine wichtige Grundlage für einen sicheren Umgang mit dem erwachsenen Bock.

 

Ruhig, klar und konsequent – aber niemals gewaltsam.

 

Ein Bock muss nicht durch Angst kontrollierbar werden. Ziel sollte vielmehr ein Tier sein, das den Menschen kennt, Grenzen akzeptiert und sich in den notwendigen Situationen sicher führen und versorgen lässt.

 

 

 

Charakter ist auch eine Frage der Zucht

 

Bei der Auswahl eines Zuchtbocks spielen Abstammung, Zuchtwert, Exterieur, Fundament, Gesundheit, Fruchtbarkeit und Leistungsmerkmale eine wichtige Rolle.

Für die praktische Haltung kann aber auch das Verhalten des Tieres von Bedeutung sein.

 

Ein ruhiger, aufmerksamer und gut zu handhabender Bock erleichtert die tägliche Versorgung, Gesundheitskontrollen, tierärztliche Maßnahmen und den sicheren Umgang während der Decksaison.

 

Wer Wert auf einen ruhigen, aufmerksamen und gut zu handhabenden Charakter legt, kann deshalb bereits bei der Auswahl eines Jung- oder Zuchtbocks auf dessen Verhalten achten. Ein ruhiger und respektvoller Umgang im weiteren Leben kann dazu beitragen, dass ein vertrauensvolles Verhältnis zum Menschen erhalten bleibt.

Dabei sollte Charakter nicht mit „brav“ gleichgesetzt werden. Ein guter Zuchtbock darf selbstbewusst sein und artspezifisches Verhalten zeigen. Entscheidend ist vielmehr, dass sein Verhalten für Mensch und Tier kontrollierbar bleibt.

 

Ein umgänglicher Zuchtbock ist deshalb nicht nur angenehmer im täglichen Umgang – seine Eigenschaften können auch Teil der eigenen Zuchtentscheidung sein.

 

 

 

Bewegung gehört zur Bockhaltung

 

Ein Zuchtbock braucht Bewegung – und zwar nicht nur dann, wenn er zum Deckeinsatz kommt.

 

Ein ausreichend großer Auslauf ermöglicht es ihm, sich zu bewegen, unterschiedliche Aufenthaltsbereiche aufzusuchen und sein natürliches Verhalten auszuleben. Je nach Haltungssystem können zusätzlich erhöhte Liegeflächen, stabile Baumstämme, geeignete Klettersteine, Kratz- und Scheuermöglichkeiten oder andere sichere Strukturelemente für Abwechslung sorgen.

 

ZZiegen nutzen Klettermöglichkeiten und unterschiedliche Strukturen ihrer Umgebung gerne und zeigen dabei ihr arttypisches Erkundungs- und Bewegungsverhalten. Solche Elemente können gleichzeitig Möglichkeiten für Bewegung, Erkundung und Beschäftigung schaffen.

 

Dabei gilt immer:

  • nur standsichere und ausreichend belastbare Elemente verwenden,

  • Verletzungs- und Absturzgefahren vermeiden,

  • bei behornten Tieren besonders auf mögliche Einklemmstellen achten,

  • keine Konstruktionen verwenden, in denen sich Hörner, Beine oder Hals verfangen können,

  • beschädigte Einrichtungen regelmäßig kontrollieren, reparieren oder entfernen.

 

Beschäftigung muss nicht kompliziert sein. Oft schafft bereits eine abwechslungsreich gestaltete Umgebung mehr Möglichkeiten für Bewegung und Erkundung.

 

 

 

Ein Stall ist mehr als vier Wände

 

Ein guter Bockstall muss nicht luxuriös sein. Er sollte aber so gestaltet sein, dass der Bock sich darin sicher bewegen, ruhen, fressen und trinken kann.

 

Ausreichende Lichtverhältnisse, ein gutes Stallklima, trockene und geeignete Liegeflächen, ausreichend Platz und Möglichkeiten zum Rückzug gehören ebenso dazu wie ein gut erreichbarer Auslauf.

 

Erhöhte Liegeflächen und Rückzugsmöglichkeiten können insbesondere bei rangbedingten Auseinandersetzungen zusätzliche Ausweichmöglichkeiten schaffen.

 

Eine dunkle, schlecht belüftete und enge Box ist deshalb keine angemessene Dauerlösung, auch wenn der Bock außerhalb der Decksaison etwas weniger Aufmerksamkeit benötigt.

 

 

 

Gesundheitskontrolle – nicht erst vor der Decksaison

 

Ein Zuchtbock sollte regelmäßig und nicht nur unmittelbar vor seinem Einsatz kontrolliert werden.

 

Dazu gehören unter anderem:

  • Allgemeinbefinden und Verhalten,

  • Körperkondition,

  • Bewegungsapparat und Klauen,

  • Haut und Haarkleid,

  • Hoden und äußere Geschlechtsorgane,

  • mögliche Verletzungen,

  • Parasitenbelastung und weitere betriebsspezifische Gesundheitsrisiken,

  • Futter- und Wasseraufnahme,

  • Harnabsatz und mögliche Anzeichen von Harnwegsproblemen.

     

Besonders wichtig sind gesunde Klauen und ein belastbares Fundament. Ein Bock, der Schmerzen beim Laufen hat oder sich ungern bewegt, kann seine Aufgabe während der Decksaison nur eingeschränkt erfüllen.

 

Die regelmäßige Klauenpflege gehört deshalb zur ganzjährigen Bockhaltung und nicht nur zur Vorbereitung auf den Zuchteinsatz.

 

 

 

Vorbereitung auf die Decksaison beginnt früh

 

Ein Zuchtbock sollte nicht erst wenige Tage vor dem ersten Deckeinsatz vorbereitet werden.

 

Körperkondition, Klauen, Beweglichkeit, Allgemeingesundheit und Fütterung sollten ganzjährig im Blick behalten und bereits einige Wochen vor dem geplanten Zuchteinsatz nochmals gezielt kontrolliert werden.

 

Auch der Umgang mit dem Bock sollte zu diesem Zeitpunkt längst selbstverständlich sein.

 

Die Decksaison stellt für den Bock eine besondere körperliche und verhaltensbezogene Belastung dar. Deshalb ist es sinnvoll, ihn nicht erst während dieser Zeit intensiv zu beobachten, sondern Veränderungen bereits vorher zu erkennen.

 

Hier besteht eine enge Verbindung zur Zuchtbockfütterung:

Eine bedarfsgerechte Fütterung, eine gute Körperkondition und eine ganzjährige Gesundheitsvorsorge schaffen die Voraussetzungen dafür, dass der Bock die Decksaison möglichst gut bewältigen kann.

 

 

 

Während der Decksaison besonders aufmerksam bleiben

 

Während der Decksaison kann sich das Verhalten eines Bocks deutlich verändern. Manche Tiere bleiben bei guter Futteraufnahme und Kondition, während andere sich stark auf die Paarung konzentrieren und weniger Zeit mit Fressen verbringen.

 

Deshalb sollten Körperkondition, Futteraufnahme, Beweglichkeit und Allgemeinbefinden auch während der Decksaison regelmäßig kontrolliert werden.

 

Ebenso wichtig ist die Beobachtung auf Verletzungen oder Überforderung. Gerade bei der Haltung mehrerer Böcke müssen während der Decksaison Rangordnung, Verträglichkeit und die jeweilige Gruppenzusammensetzung besonders im Blick behalten werden.

 

Ein Bock sollte nicht erst auffallen, wenn er nicht mehr laufen, fressen oder decken kann.

 

 

 

Nach der Decksaison ist vor der nächsten Zuchtsaison

 

Nach dem Ende der Decksaison beginnt wieder die ruhigere Phase des Jahres.

 

Jetzt geht es darum, den Bock körperlich regenerieren zu lassen, die Kondition zu überprüfen und die Haltung wieder auf seinen normalen Erhaltungsbedarf auszurichten.

 

Verletzungen oder Veränderungen, die während der Decksaison aufgetreten sind, sollten abgeklärt und behandelt werden. Gleichzeitig bietet die Zeit außerhalb der Decksaison die Möglichkeit, die körperliche Kondition zu stabilisieren und wieder einen normalen Tagesrhythmus zu etablieren.

 

Der Jahresverlauf sollte deshalb nicht als „Decksaison – Pause – Decksaison“ betrachtet werden, sondern als kontinuierlicher Kreislauf:

Aufzucht → Entwicklung → Vorbereitung → Decksaison → Erholung → Vorbereitung auf die nächste Saison

 

 

 

Eine gute Bockhaltung ist auch Zuchtarbeit

 

Die Haltung eines Zuchtbocks verursacht Arbeit und benötigt Platz. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Gleichzeitig sollte die Entscheidung, einen Zuchtbock selbst zu halten, nicht allein unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, wie viele Wochen im Jahr er tatsächlich zum Deckeinsatz kommt.

 

Wer einen Zuchtbock im eigenen Betrieb hält, kann seine Entwicklung, Gesundheit und sein Verhalten über längere Zeit selbst beobachten und begleiten. Er kennt das Tier und kann seinen Einsatz gezielt planen und auf seine Entwicklung und seinen Gesundheitszustand reagieren.

 

Gerade für Zuchtbetriebe kann es wertvoll sein, die Entwicklung eines Bocks über Jahre selbst zu kennen und seine Eignung nicht nur anhand einzelner Aufnahmen oder einer kurzen Einsatzzeit beurteilen zu müssen.

 

Ein Zuchtbock ist kein notwendiges Übel zwischen zwei Deckzeiten. Er ist ein Teil der eigenen Zuchtarbeit.

 

Dabei beginnt diese Zuchtarbeit nicht zwangsläufig mit der eigenen Aufzucht. Auch ein zugekaufter Jung- oder Zuchtbock bringt eine Vorgeschichte mit. Umso wichtiger ist es, die bei seiner Aufzucht geschaffenen Grundlagen zu erkennen, zu erhalten und im eigenen Betrieb sinnvoll weiterzuführen.

 

 

 

Der Bock als Teil der nächsten Generation

 

Ein Zuchtbock kann über viele Nachkommen einen wesentlichen Beitrag zur nächsten Generation leisten. Seine genetische Grundlage ist deshalb ebenso von Bedeutung wie seine Gesundheit, Fruchtbarkeit, sein Körperbau und seine Eignung für den praktischen Umgang. Diese Eigenschaften sind wichtige Kriterien für seinen langfristigen Einsatz in der Zucht.

 

Eine gute genetische Grundlage braucht passende Bedingungen, damit sich ihr Potenzial tatsächlich zeigen kann.

 

Was in einen Zuchtbock investiert wird, ist deshalb immer auch eine Investition in den Nachwuchs und damit in die Zukunft der Herde.

 

Eine gute Aufzucht kann keine ungünstige genetische Grundlage ausgleichen. Eine gute genetische Grundlage kann eine unzureichende Aufzucht und Haltung aber ebenfalls nicht beliebig kompensieren.

 

Zucht beginnt deshalb nicht erst mit der Anpaarung.

Sie beginnt mit der Auswahl und Aufzucht des Tieres und setzt sich in seiner Haltung, Fütterung, Gesundheitsvorsorge und seinem täglichen Umgang fort.

 

 

 

Die wichtigsten Grundsätze der Zuchtbockhaltung

 

  • Ein Zuchtbock bleibt auch außerhalb der Decksaison ein Zuchttier und sollte entsprechend gehalten und betreut werden.

  • Die Aufzucht und Erziehung männlicher Jungtiere verdient ebenso Aufmerksamkeit wie die Aufzucht weiblicher Zuchttiere.

  • Eine gute Aufzucht schafft wichtige Grundlagen für die spätere Gesundheit, Entwicklung und Handhabbarkeit des Zuchtbocks.

  • Wird ein Jungbock später in einen anderen Betrieb übernommen, kann der neue Halter auf den bereits geschaffenen Grundlagen aufbauen.

  • Ziegen sind soziale Tiere – eine dauerhafte soziale Isolation sollte vermieden werden.

  • Als Sozialpartner kann bei entsprechender Verträglichkeit auch ein kastrierter Bock geeignet sein.

  • Sozialkontakt kann auch durch benachbarte, getrennte Haltungsbereiche ermöglicht werden.

  • Verhalten verändert sich mit Alter, Geschlechtsreife und Fortpflanzungsphase und sollte entsprechend beobachtet werden.

  • Ein regelmäßiger, ruhiger und positiver Mensch-Tier-Kontakt schafft eine wichtige Grundlage für den späteren sicheren Umgang.

  • Gewalt ist kein Erziehungsmittel. Klare und verlässliche Grenzen lassen sich auch ohne Gewalt vermitteln.

  • Ausreichende Bewegung, Licht, Luft, trockene Liegeflächen und geeignete Ausläufe gehören zur ganzjährigen Haltung.

  • Klettermöglichkeiten und sichere Beschäftigungs- und Strukturelemente können zusätzliche Möglichkeiten für Bewegung und Erkundung schaffen.

  • Klauen, Fundament, Körperkondition und Allgemeingesundheit sollten regelmäßig und nicht erst vor der Decksaison kontrolliert werden.

  • Die Vorbereitung auf die Decksaison beginnt Wochen und Monate vorher.

  • Während der Decksaison sind Verhalten, Futteraufnahme, Kondition und mögliche Verletzungen besonders aufmerksam zu beobachten.

  • Nach der Decksaison braucht der Bock Zeit zur Erholung und Regeneration.

 

 

Ein gut gehaltener Zuchtbock ist mehr als ein „Deckbock“

 

Er ist ein Tier mit eigenen sozialen, körperlichen und verhaltensbezogenen Bedürfnissen – und gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil der nächsten Generation.

 

Eine gute Zuchtbockhaltung bedeutet deshalb nicht nur, einen Bock unterzubringen. Sie bedeutet, die Grundlagen, die er aus seiner Aufzucht mitbringt, zu erhalten, ihn gesund und sicher durch das Zuchtjahr zu begleiten und ihm die Bedingungen zu geben, unter denen er sein züchterisches Potenzial langfristig nutzen kann.

 

 

 

Rechtlicher Rahmen
Auch das Tierschutzgesetz stellt in § 2 grundlegende Anforderungen an die Haltung und Betreuung von Tieren. Dazu gehören eine den Bedürfnissen entsprechende Ernährung und Pflege, eine verhaltensgerechte Unterbringung sowie die Möglichkeit zu artgemäßer Bewegung. Außerdem müssen die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten vorhanden sein.

 

 

 

Weiterführende Informationen

 

 

 

Hinweis

Die konkreten Haltungsbedingungen müssen immer an Tierzahl, Rasse, Hornstatus, Gruppenzusammensetzung, Betriebsstruktur und örtliche Gegebenheiten angepasst werden. Bei Fragen zur individuellen Haltung, zu Gesundheitsproblemen oder zur Zuchttauglichkeit sollte fachkundige Beratung (z. B. Zuchtleitung, Fachberater, Veterinäramt) bzw. der Tierarzt hinzugezogen werden.

 

 

 

Fachliteratur: Ergänzend empfiehlt sich die einschlägige Fachliteratur zur Ziegenhaltung.

 

 

 

 

Kontakt

Ziegenzuchtverband Bayern e.V.

(ZVB e.V.)
Senator Gerauer Str. 23a

85586 Poing-Grub

 

Telefon 089 537856

Fax 089 54887671
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