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Fütterung - Zuchtböcke

 

Gesund und leistungsfähig durch das Zuchtjahr

 

Ein Zuchtbock hat im Jahresverlauf unterschiedliche Anforderungen an seine Ernährung. Außerhalb der Decksaison stehen vor allem die Erhaltung von Körpermasse, Kondition und Gesundheit im Vordergrund. Mit zunehmender Aktivität vor und während der Decksaison steigt dagegen die körperliche Belastung.

 

Eine bedarfsgerechte Fütterung soll deshalb weder zu einer Verfettung noch zu einer Unterversorgung führen. Ziel ist ein gesunder, beweglicher und gut konditionierter Bock, der seine Fortpflanzungsleistung über die Decksaison hinweg erhalten kann.

 

Die Fütterung ist dabei nur ein Teil des gesamten Zucht- und Gesundheitsmanagements. Auch Gesundheitsstatus, Klauen und Bewegungsapparat, Parasitenkontrolle, Haltung und die allgemeine körperliche Verfassung beeinflussen die Zuchteignung und Fortpflanzungsleistung.

 

 

 

Die richtige Körperkondition – weder zu mager noch zu fett

 

Ein Zuchtbock sollte zur Decksaison weder übermäßig fett noch zu knapp in der Kondition sein. Ein moderater Körperzustand bietet Reserven für die erhöhte Belastung während der Decksaison, ohne den Bock unnötig zu verfetten.

 

Als Orientierung wird für Böcke vor der Decksaison eine mittlere Körperkondition empfohlen. Während der Decksaison können Böcke aufgrund der erhöhten Aktivität deutlich an Kondition verlieren. Deshalb sollte die Körperkondition regelmäßig kontrolliert und die Fütterung rechtzeitig angepasst werden.

 

Dabei sollte nicht allein das Körpergewicht beurteilt werden. Körperbau, Bemuskelung und individuelle Konstitution unterscheiden sich zwischen Rassen und Tieren erheblich. Entscheidend ist die Entwicklung der Körperkondition über die Zeit.

 

Ziel ist nicht der möglichst schwere Bock, sondern ein gesunder und leistungsfähiger Bock in passender Kondition.

 

 

 

Nicht erst kurz vor der Decksaison an die Fütterung denken

 

Die Vorbereitung auf die Decksaison beginnt nicht erst wenige Tage vor dem ersten Deckeinsatz.

 

Ein Bock, der über längere Zeit zu mager oder deutlich überkonditioniert war, lässt sich nicht kurzfristig in einen optimalen Zustand bringen. Auch die Bildung und Qualität der Spermien sind Prozesse, die Zeit benötigen.

 

Die Fütterung sollte daher das ganze Jahr über auf eine stabile Gesundheit und passende Körperkondition ausgerichtet sein. Vor der Decksaison kann eine Anpassung der Ration erforderlich werden, wenn der Bock an Kondition gewinnen muss oder seine Aktivität deutlich zunimmt.

 

Eine kurzfristige „Mast“ vor der Decksaison ersetzt keine gute ganzjährige Versorgung.

 

 

 

Jeder Bock ist anders – Futteraufnahme und Belastung berücksichtigen

 

Nicht jeder Zuchtbock geht gleich mit der Belastung der Decksaison um. Während manche Böcke auch in dieser Zeit regelmäßig und ausreichend fressen, können andere ihre Futteraufnahme deutlich reduzieren und sich nahezu vollständig auf die Deckarbeit konzentrieren.

 

Gerade bei solchen Böcken kann es während der Decksaison zu einem deutlichen Verlust an Körpergewicht und Kondition kommen. Die erhöhte körperliche Aktivität und eine gleichzeitig geringere Futteraufnahme sind deshalb bereits bei der Vorbereitung auf die Decksaison zu berücksichtigen.

 

Ein Bock, der auch während der Decksaison gut frisst, kann seinen erhöhten Bedarf stärker über die laufende Futteraufnahme decken. Bei einem Bock mit deutlich reduzierter Futteraufnahme kommt den bereits vor der Decksaison vorhandenen Körperreserven eine größere Bedeutung zu.

 

Das bedeutet jedoch nicht, einen Bock vor der Decksaison möglichst stark zu füttern. Ziel ist ein gut konditionierter, aber nicht verfetteter Bock. Übergewicht ist ebenso unerwünscht wie eine zu geringe Kondition.

 

Deshalb sollte die Körperkondition nicht erst unmittelbar vor dem Deckeinsatz beurteilt werden. Bei Böcken, die erfahrungsgemäß während der Decksaison wenig fressen oder besonders stark beansprucht werden, ist es sinnvoll, die Kondition bereits einige Wochen bis Monate vorher regelmäßig zu kontrollieren und die Fütterung rechtzeitig anzupassen.

 

Der richtige Zeitpunkt für die Vorbereitung ist vor der Decksaison – nicht erst dann, wenn der Bock bereits deutlich an Kondition verliert.

 

 

 

Fütterung vor und während der Decksaison

 

Mit Beginn der Decksaison verändert sich die Belastung des Bockes deutlich. Die Tiere sind aktiver, bewegen sich mehr und haben teilweise weniger Zeit für die Futteraufnahme.

 

Die Ration sollte deshalb so gestaltet sein, dass der erhöhte Bedarf gedeckt wird, ohne den Bock unnötig mit Energie oder leicht fermentierbaren Kohlenhydraten zu überversorgen.

 

Dabei gilt:

  • hochwertiges und geeignetes Raufutter bleibt die Grundlage der Fütterung,

  • Energie- und Proteinversorgung müssen zum tatsächlichen Bedarf passen,

  • notwendige Mineralstoffe und Vitamine müssen bedarfsgerecht bereitgestellt werden,

  • Kraftfutter sollte gezielt und nicht nach dem Grundsatz „mehr ist besser“ eingesetzt werden,

  • Veränderungen der Ration sollten schrittweise erfolgen,

  • eine ausreichende Versorgung mit frischem, sauberem Trinkwasser muss jederzeit gewährleistet sein.

 

Die konkrete Rationsgestaltung hängt unter anderem von Körpergewicht, Grundfutterqualität, Kondition, Alter, Aktivität und Dauer der Decksaison ab.

 

Für die Beurteilung des Nährstoffbedarfs können aktuelle Fütterungstabellen und Rationsberechnungen herangezogen werden. Die aktuelle Gruber Tabelle, 49. Auflage, August 2026, enthält aktuelle Bedarfs- und Futterwerte für Schafe und Ziegen.

 

 

 

Eiweiß – bedarfsgerecht statt möglichst viel

 

Protein ist für Erhaltung, Körpergewebe und zahlreiche Stoffwechselvorgänge notwendig. Auch für einen Zuchtbock ist deshalb eine ausreichende Proteinversorgung wichtig.

 

Eine über den Bedarf hinausgehende Eiweißversorgung ist jedoch kein Vorteil.

 

Entscheidend ist die Versorgung der Gesamtration mit Energie und Nährstoffen. Ein besonders eiweiß- oder energiereiches Futter sollte deshalb nicht allein deshalb eingesetzt werden, weil der Bock zur Decksaison leistungsfähig sein soll.

 

Die Fütterung sollte sich am tatsächlichen Bedarf und an der Qualität des vorhandenen Grundfutters orientieren.

 

 

 

Mineralstoffe und Spurenelemente gezielt versorgen

 

Mineralstoffe und Spurenelemente übernehmen zahlreiche Aufgaben im Stoffwechsel und sind unter anderem für Knochen, Muskeln, Immunsystem und Fortpflanzung von Bedeutung. Eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung gehört deshalb auch beim Zuchtbock zu einer ausgewogenen Ration.

 

Dabei gilt jedoch nicht: möglichst viele Mineralstoffe sind möglichst gut.

 

Grundfutter, Kraftfutter und Mineralfutter müssen als Gesamtration betrachtet werden. Je nach Futtergrundlage und Versorgungssituation kann eine Ergänzung notwendig sein – sie sollte sich jedoch am tatsächlichen Bedarf orientieren.

 

Besondere Vorsicht ist bei einzelnen Spurenelementen angebracht, da sowohl eine Unterversorgung als auch eine Überversorgung problematisch sein kann.

 

 

 

Harnsteine – beim Bock ein besonderes Fütterungsthema

 

Harnsteine können bei männlichen Ziegen zu einer lebensbedrohlichen Harnröhrenverlegung führen. Das Risiko ist bei Böcken aufgrund der Anatomie der männlichen Harnwege besonders relevant. Harnsteine können aus unterschiedlichen mineralischen Bestandteilen entstehen; ihre Entstehung ist multifaktoriell.

 

Eine wichtige Rolle spielt die Mineralstoffversorgung der Gesamtration. Besonders bei stark kraftfutterbetonten Rationen kann eine zu hohe Phosphoraufnahme die Bildung phosphatischer Harnsteine begünstigen. Dabei ist nicht nur das Calcium-Phosphor-Verhältnis zu betrachten: Auch eine insgesamt zu hohe Phosphorversorgung kann problematisch sein.

 

Für die Vorbeugung sind deshalb insbesondere folgende Punkte wichtig:

  • ausreichende Versorgung mit frischem, sauberem Trinkwasser,

  • Vermeidung unnötig hoher Kraftfuttergaben,

  • bedarfsgerechte Phosphorversorgung,

  • ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis der Gesamtration,

  • zurückhaltender und gezielter Einsatz von Mineral- und Ergänzungsfuttermitteln,

  • Berücksichtigung der gesamten Ration einschließlich Grundfutter und Ergänzungsfuttermitteln.

     

Eine ausreichende Salzversorgung kann zudem die Wasseraufnahme fördern und damit zur Verdünnung des Harns beitragen.

 

Besonders wichtig: 

Bei wiederholten Problemen mit Harnsteinen sollte nicht eigenständig mit einzelnen Mineralstoffen oder säuernden Zusätzen experimentiert werden. Die gesamte Ration und die möglichen Ursachen sollten fachlich überprüft werden.

 

 

 

Und was ist mit Kieselgur?

 

Kieselgur wird teilweise als Futtermittelzusatz eingesetzt. Silikathaltige Harnsteine sind bei Ziegen grundsätzlich bekannt und können mit silikatreichen Futterressourcen in Zusammenhang stehen.

 

Ein allgemeiner Nachweis dafür, dass die übliche Fütterung von Kieselgur bei Ziegenböcken Harnsteine verursacht, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

 

Wir wollen hier nicht pauschal vor der Verwendung von Kieselgur als Futtermittelzusatz warnen, aber bei der Verwendung eines solchen Zusatzstoffes sind vielmehr die konkrete Zusammensetzung, die zugelassene Verwendung, die Dosierung und die Gesamtration zu berücksichtigen.

 

Wie bei allen Ergänzungsfuttermitteln gilt: 

Nicht das einzelne Produkt, sondern die gesamte Versorgung des Tieres entscheidet.

 

 

 

Gesundheit und Fruchtbarkeit gehören zusammen

 

Eine gute Fütterung allein macht noch keinen fruchtbaren Zuchtbock.

 

Vor der Decksaison sollten deshalb auch der allgemeine Gesundheitszustand, die Körperkondition, Klauen und Bewegungsapparat sowie die Geschlechtsorgane kontrolliert werden. Erkrankungen, starke Parasitenbelastungen, Schmerzen oder Bewegungsprobleme können die Fortpflanzungsleistung beeinträchtigen.

 

Eine Zuchttauglichkeitsuntersuchung vor der Decksaison kann insbesondere bei wertvollen oder bereits eingesetzten Zuchtböcken sinnvoll sein.

 

Ein Bock muss körperlich in der Lage sein, die Deckarbeit über die gesamte Zuchtsaison zu leisten. Gute Klauen, ein belastbares Fundament und freie Beweglichkeit sind deshalb ebenso wichtig wie eine passende Körperkondition.

 

 

 

Nach der Decksaison

 

Nach Ende der Decksaison sinkt der zusätzliche Energiebedarf wieder. Eine energiereichere Vorbereitungs- oder Decksaisonration sollte deshalb nicht unverändert über das gesamte Jahr weitergefüttert werden.

 

Die Ration sollte wieder an den tatsächlichen Erhaltungsbedarf angepasst werden. Gleichzeitig sollte die Körperkondition weiter beobachtet werden, damit der Bock weder deutlich an Gewicht verliert noch unnötig verfettet.

 

Auch außerhalb der Decksaison wird die Grundlage für die nächste Zuchtsaison gelegt.

 

 

 

Der Zuchtbock im Jahresverlauf

 

Eine sinnvolle Fütterung orientiert sich deshalb nicht an einem einzelnen Zeitpunkt, sondern am gesamten Zuchtjahr:

 

Außerhalb der Decksaison
→ Gesundheit, Erhaltung und passende Körperkondition sichern

 

Vor der Decksaison
→ Kondition überprüfen und bei Bedarf rechtzeitig anpassen

 

Während der Decksaison
→ erhöhte Belastung und mögliche Veränderungen der Futteraufnahme berücksichtigen

 

Nach der Decksaison
→ wieder auf den tatsächlichen Erhaltungsbedarf einstellen und Kondition stabilisieren

 

 

 

Die wichtigsten Grundsätze auf einen Blick

 

  • Nicht möglichst viel, sondern bedarfsgerecht füttern.

  • Den Bock weder verfetten lassen noch zu knapp versorgen.

  • Die Körperkondition regelmäßig kontrollieren.

  • Die individuelle Futteraufnahme und Belastung des Bockes berücksichtigen.

  • Raufutter bleibt die Grundlage der Fütterung.

  • Kraftfutter gezielt und entsprechend dem tatsächlichen Bedarf einsetzen.

  • Eiweiß und Mineralstoffe nicht über den Bedarf hinaus zuführen.

  • Die Mineralstoffversorgung immer als Gesamtration betrachten.

  • Beim Bock besonders auf die Vorbeugung von Harnsteinen achten.

  • Ausreichend frisches Wasser jederzeit anbieten.

  • Futterumstellungen schrittweise vornehmen.

  • Gesundheit, Klauen, Bewegungsapparat und Fortpflanzungsorgane in die Vorbereitung auf die Decksaison einbeziehen.

  • Nicht erst kurz vor der Decksaison mit der Vorbereitung beginnen.

 

 

 

Fütterung des Zuchtbocks ist Zuchtarbeit

 

Ein Zuchtbock beeinflusst mit seinen genetischen Anlagen einen großen Teil der nächsten Generation. Seine Gesundheit, Fruchtbarkeit und körperliche Leistungsfähigkeit sind deshalb nicht nur für seinen eigenen Einsatz von Bedeutung.

 

Was in einen Zuchtbock investiert wird, ist immer auch eine Investition in den Nachwuchs und damit in die Zukunft der Herde.

 

Eine bedarfsgerechte Fütterung kann keine ungünstige genetische Grundlage ausgleichen. Sie schafft aber die Voraussetzungen dafür, dass ein gesunder Bock sein genetisches Potenzial in der Zucht nutzen kann und über seine Nachkommen an die nächste Generation weitergibt.

 

Deshalb sollte die Fütterung des Zuchtbocks nicht als zusätzlicher Aufwand betrachtet werden, der nur während weniger Wochen im Jahr anfällt. Sie ist Teil einer langfristigen Zucht- und Gesundheitsstrategie.

 

Ein gut versorgter Zuchtbock ist nicht nur für die kommende Decksaison wichtig – er ist ein Teil der nächsten Generation.

 

 

 

Weiterführende Informationen

 

  • Fütterung
    Grundsätze der Ziegenfütterung, Raufutter, Wasser, Mineralstoffversorgung, Futterqualität, Futterwechsel und Rationsgestaltung.

 

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)

 

Bei Fragen zur individuellen Rationsgestaltung oder bei gesundheitlichen bzw. fortpflanzungsbezogenen Problemen sollte eine tierärztliche oder fachlich qualifizierte futterwirtschaftliche Beratung hinzugezogen werden.

 

 

 

Kontakt

Ziegenzuchtverband Bayern e.V.

(ZVB e.V.)
Senator Gerauer Str. 23a

85586 Poing-Grub

 

Telefon 089 537856

Fax 089 54887671
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