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Fütterung - Kitze und Jungziegen

 

Vom Kitz zur leistungsfähigen Ziege – bedarfsgerecht durch die Wachstumsphase

 

Die ersten Lebensmonate eines Kitzes sind eine besonders wichtige Wachstums- und Entwicklungsphase. Knochen, Muskulatur und Organe entwickeln sich, gleichzeitig verändert sich das Verdauungssystem vom zunächst milchabhängigen Jungtier zum funktionierenden Wiederkäuer.

 

Eine gute Aufzucht soll deshalb weit mehr leisten, als ein Kitz ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Sie schafft die Voraussetzungen für eine gesunde und harmonische Entwicklung und dafür, dass ein Tier seine genetischen Möglichkeiten möglichst gut ausschöpfen kann.

 

Die Aufzucht ist damit eine Investition in die spätere Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Nutzungsdauer des Tieres – und damit in die Zukunft der Herde.

 

Die folgenden Ausführungen beziehen sich vor allem auf Kitze, die zur weiteren Aufzucht bestimmt sind. Für Kitze, die als Schlachtkitze vorgesehen sind, ist die langfristige Entwicklung zum späteren Zucht- oder Nutztier naturgemäß nicht das Aufzuchtziel. Die grundlegenden Anforderungen an eine bedarfsgerechte Ernährung, eine altersgerechte Entwicklung des Verdauungssystems, Gesundheit und tiergerechte Haltung gelten jedoch auch für sie.

 

 

 

Vom Milchtrinker zum Wiederkäuer

 

Bei der Geburt ist das Verdauungssystem des Kitzes noch nicht auf die Nutzung einer typischen Wiederkäuerration ausgerichtet. In den ersten Lebenswochen steht die Milchversorgung im Vordergrund. Mit zunehmender Aufnahme fester Futtermittel entwickelt sich der Pansen weiter und das Tier stellt sich zunehmend auf die Ernährung als Wiederkäuer ein.

 

Dabei verändern sich nicht nur Größe und Struktur des Pansens. Auch die Pansenwand, die Pansenpapillen und die Gemeinschaft der darin lebenden Mikroorganismen entwickeln sich weiter. Die Aufnahme geeigneter fester Futtermittel ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung zum Wiederkäuer.

 

Der Pansen ist ein komplexer Fermentationsraum. Die dort lebenden Mikroorganismen leisten einen entscheidenden Beitrag dazu, dass die Ziege strukturreiche pflanzliche Futtermittel bestmöglich verwerten kann.

 

Die Jungtierfütterung soll deshalb nicht nur das Wachstum unterstützen, sondern zugleich die Grundlage für einen leistungsfähigen Pansen und eine stabile Verdauung schaffen.

 

Diese Entwicklung erfolgt schrittweise. Die Fütterung sollte sie begleiten und Veränderungen des Futterangebots sollten nicht abrupt erfolgen.

 

 

 

Die Ziege – ein vielseitiger Futterselektierer

 

Ziegen unterscheiden sich in ihrem Fressverhalten von stärker auf Gras ausgerichteten Wiederkäuern. Als ausgeprägte Selektierer nutzen sie eine vielfältige Pflanzenkost und nehmen neben Gräsern und Kräutern auch Blätter, Triebe und geeignete Gehölze auf.

 

Dadurch können sie Futterressourcen nutzen, die für stärker auf Gras spezialisierte Wiederkäuer weniger geeignet sind. Auch mit bestimmten sekundären Pflanzenstoffen, beispielsweise Tanninen, können Ziegen aufgrund ihrer besonderen Anpassungen teilweise besser umgehen als andere Wiederkäuer.

 

Auch wenn Ziegen bestimmte Pflanzen und deren Inhaltsstoffe besonders gut nutzen können, bleibt eine ausgewogene und bedarfsgerechte Fütterung die Grundlage. Sie muss abwechslungsreich und ausreichend strukturreich sein und an Alter, Entwicklungs- und Leistungsstadium des Tieres angepasst werden.

 

 

 

Die Fütterung verändert sich mit der Entwicklung

 

Mit der Entwicklung des Kitzes verändern sich auch die Anforderungen an seine Fütterung. Aus dem zunächst milchabhängigen Jungtier wird zunehmend ein Wiederkäuer, der feste Futtermittel immer besser aufnehmen und verwerten kann.

 

Dabei geht es nicht um einen bestimmten Zeitpunkt, an dem die Fütterung plötzlich vollständig umgestellt wird. Vielmehr verändert sich die Bedeutung der einzelnen Futtermittel schrittweise:

  • Milch beziehungsweise Tränke steht in der frühen Lebensphase im Vordergrund.

  • Geeignete feste Futtermittel werden frühzeitig angeboten und gewinnen mit zunehmender Entwicklung an Bedeutung.

  • Hochwertiges, geeignetes Raufutter wird zunehmend zur wichtigen Grundlage der Wiederkäuerfütterung.

  • Wasser und eine bedarfsgerechte Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen müssen jederzeit berücksichtigt werden.

  • Nach dem Absetzen wird die Fütterung weiter an Alter, Körpergewicht und Entwicklungsstand angepasst.

 

Die konkrete Milch- und Tränkeversorgung sowie die verschiedenen Aufzuchtsysteme sind ausführlich auf unserer Seite „Kitzaufzucht“ beschrieben.

 

 

 

Wachstum braucht eine bedarfsgerechte Versorgung

 

Dabei ist nicht allein entscheidend, wie viel ein Tier frisst. Entscheidend ist, ob die aufgenommene Futtermenge und deren Nährstoffgehalt den jeweiligen Bedarf tatsächlich decken.

 

Mit zunehmendem Alter und Körpergewicht verändern sich die Nährstoffbedürfnisse. Auch die angestrebte tägliche Zunahme und der spätere Verwendungszweck des Tieres spielen eine Rolle.

 

Die Fütterung sollte deshalb immer zum Alter, Körpergewicht, Entwicklungsstand und späteren Nutzungsziel passen.

 

Für die Beurteilung des Nährstoffbedarfs können aktuelle Fütterungstabellen und Rationsberechnungen herangezogen werden. Die LfL stellt hierfür unter anderem die aktuelle Gruber Tabelle mit Fütterungsempfehlungen für Ziegen zur Verfügung.

 

 

 

Nicht möglichst schnell – sondern passend wachsen

 

Ziel einer guten Aufzucht ist nicht ein möglichst schnelles oder maximales Wachstum, sondern eine gleichmäßige und dem Entwicklungsstadium entsprechende Entwicklung.

 

Sowohl eine länger andauernde Unterversorgung als auch eine Überversorgung können die Entwicklung beeinträchtigen. Eine unzureichende Versorgung kann zu Wachstumsrückständen führen. Eine übermäßige Energieversorgung kann dagegen eine zu starke Verfettung begünstigen und damit Stoffwechsel, Organe und Bewegungsapparat belasten.

 

Entscheidend ist deshalb eine bedarfsgerechte Versorgung, die ausreichend Nährstoffe für Wachstum und Entwicklung bereitstellt, ohne das Tier unnötig mit Energie zu überversorgen.

 

Ein gut entwickeltes Jungtier ist nicht einfach ein möglichst schweres Jungtier. Entscheidend ist eine harmonische Entwicklung.

 

 

 

Die ersten Lebensmonate legen wichtige Grundlagen

 

Die ersten Lebensmonate sind eine besonders intensive Wachstums- und Entwicklungsphase. In dieser Zeit werden wichtige Grundlagen für die spätere körperliche Entwicklung gelegt.

 

Eine länger andauernde Unterversorgung kann zu Wachstumsrückständen führen. Je nach Ursache und Ausmaß können Tiere später einen Teil solcher Rückstände aufholen. Ein vollständiges Aufholen ist jedoch nicht in jedem Fall gewährleistet.

 

Deshalb sollte insbesondere in dieser frühen Entwicklungsphase nicht darauf vertraut werden, ein zu langsam entwickeltes Jungtier später einfach „hochfüttern“ zu können.

 

Eine bedarfsgerechte Versorgung von Anfang an schafft bessere Voraussetzungen dafür, dass sich Knochen, Muskulatur, Organe, Stoffwechsel und Verdauungssystem entsprechend den individuellen Möglichkeiten des Tieres entwickeln können.

 

 

 

Genetisches Potenzial braucht passende Bedingungen

 

Jedes Tier bringt seine eigene genetische Ausstattung und damit bestimmte Entwicklungsmöglichkeiten mit. Ob und in welchem Umfang diese Möglichkeiten ausgeschöpft werden können, hängt jedoch nicht allein von der Genetik ab.

 

Auch Ernährung, Haltung, Gesundheitsstatus und die allgemeine Umwelt beeinflussen die Entwicklung. Eine gute genetische Grundlage kann ihre Vorteile nur dann zeigen, wenn das Tier die notwendigen Voraussetzungen für Wachstum und Entwicklung erhält.

 

Eine gute Fütterung kann keine ungünstige genetische Grundlage ausgleichen – und eine gute genetische Grundlage kann eine unzureichende Aufzucht nicht beliebig kompensieren.

 

Gerade bei zukünftigen Zuchttieren ist deshalb eine sorgfältige Aufzucht von besonderer Bedeutung. Ziel sollte nicht allein ein bestimmtes Gewicht sein, sondern ein gesundes, robustes und harmonisch entwickeltes Tier mit guten Voraussetzungen für eine lange Nutzung.

 

 

 

Eine gute Aufzucht – unabhängig vom späteren Nutzungsziel

 

Die grundlegenden Anforderungen an eine gute Aufzucht unterscheiden sich nicht grundsätzlich danach, ob aus einem Kitz später eine Milchziege, Fleischziege, Zweinutzungsziege, Zuchtziege oder ein Zuchtbock werden soll.

 

Alle weiter aufzuziehenden Tiere benötigen eine bedarfsgerechte Versorgung, eine gute Entwicklung des Verdauungssystems, ausreichende Nährstoffe für Wachstum und Entwicklung sowie gute Voraussetzungen für Gesundheit, Robustheit und Langlebigkeit.

 

Das spätere Nutzungsziel bestimmt vor allem, welche Eigenschaften bei der weiteren Entwicklung besonders im Vordergrund stehen.

 

Bei einer späteren Milchziege können beispielsweise die Voraussetzungen für Fruchtbarkeit, Euterentwicklung und eine langfristige Milchleistung von besonderer Bedeutung sein. Bei Fleischziegen stehen unter anderem Körperrahmen, Bemuskelung und Wachstum stärker im Vordergrund. Bei Zweinutzungstieren müssen verschiedene Leistungsrichtungen miteinander verbunden werden.

 

Bei zukünftigen Zuchttieren kommen zusätzlich die für das jeweilige Zuchtziel wichtigen Eigenschaften hinzu. Dazu gehören je nach Zuchtrichtung beispielsweise Exterieur, Fundament, Gesundheit, Fruchtbarkeit, Leistungsmerkmale und Robustheit.

 

Die Grundlage bleibt jedoch dieselbe: ein gesundes, robustes und harmonisch entwickeltes Jungtier.

 

 

 

Raufutter bleibt die Grundlage

 

Mit zunehmender Entwicklung des Wiederkäuers gewinnt hochwertiges und geeignetes Raufutter immer mehr an Bedeutung.

 

Eine ausreichende Versorgung mit strukturreichem Futter unterstützt die Wiederkauaktivität und schafft wichtige Voraussetzungen für eine stabile Pansenfunktion. Auch bei Jungtieren sollte deshalb nicht allein auf energiereiche oder eiweißreiche Futtermittel geschaut werden.

 

Die Qualität und Zusammensetzung des Raufutters müssen zum Entwicklungsstand des Tieres passen. Die Grundlage bildet eine abwechslungsreiche, schmackhafte und hygienisch einwandfreie Futterversorgung.

 

Die allgemeinen Grundsätze zu Raufutter, Wasser, Mineralstoffversorgung, Futterqualität und Rationsgestaltung finden Sie auf unserer Seite „Fütterung“.

 

 

 

Futterwechsel mit Bedacht

 

Das sich entwickelnde Verdauungssystem und die mikrobielle Gemeinschaft im Pansen müssen sich an Veränderungen des Futterangebots anpassen.

 

Neue Futtermittel, veränderte Rationen oder der Übergang von Stall- zu Weidefütterung sollten deshalb schrittweise erfolgen, damit sich das Verdauungssystem und die Mikroorganismen im Pansen an die neue Futterzusammensetzung anpassen können. 

 

Das gilt insbesondere für junge Tiere, deren Verdauungssystem sich noch weiter entwickelt.

 

 

 

Entwicklung beobachten – nicht nur das Gewicht

 

Die Entwicklung eines Jungtieres sollte nicht allein anhand des Körpergewichts beurteilt werden.

 

Wichtige Beobachtungspunkte sind beispielsweise:

  • gleichmäßige und altersgerechte Entwicklung,

  • Körperrahmen und Bemuskelung,

  • Kondition,

  • Futteraufnahme und Wiederkauverhalten,

  • Kotbeschaffenheit und Verdauung,

  • Bewegungsapparat und Klauen,

  • Vitalität und Verhalten,

  • allgemeiner Gesundheitszustand.

 

Regelmäßige Gewichtskontrollen können dabei eine wertvolle Unterstützung sein. Entscheidend ist jedoch das Gesamtbild der Entwicklung.

 

Auffälligkeiten bei Wachstum, Futteraufnahme oder Gesundheitszustand sollten Anlass sein, Fütterung, Haltung und Gesundheitsmanagement zu überprüfen.

 

 

 

Eine gute Aufzucht ist eine Investition in die Zukunft

 

Eine sorgfältige Kitz- und Jungtieraufzucht verursacht Aufwand, Arbeitszeit und Kosten – lange bevor das Tier selbst einen wirtschaftlichen Nutzen erbringt.

Diese Aufwendungen sollten jedoch nicht nur als Kosten der ersten Lebensmonate betrachtet werden. Eine gute Aufzucht schafft die Grundlage für ein gesundes, robustes und leistungsfähiges Tier und kann damit dessen spätere Nutzungsdauer und Leistungsfähigkeit beeinflussen.

 

Gerade bei Tieren, die langfristig in der Herde eingesetzt werden sollen, kann sich ein höherer Aufzuchtaufwand bestenfalls langfristig auszahlen, wenn sich die erwarteten Vorteile hinsichtlich Gesundheit, Robustheit, Leistungsfähigkeit, Fruchtbarkeit und Langlebigkeit tatsächlich zeigen.

 

Bei zukünftigen Zuchttieren ist die Aufzucht zugleich eine Investition in die Zukunft der Herde: Nur ein entsprechend entwickeltes Tier bietet die Voraussetzungen dafür, seine genetischen Eigenschaften später in der Zucht zu nutzen.

 

Eine gute Kitzaufzucht ist deshalb mehr als die Versorgung eines Jungtieres. Sie ist eine Investition in das Tier, das aus diesem Kitz einmal wird – und damit in die Zukunft der Herde.

 

 

 

Weiterführende Informationen

 

  • Kitzaufzucht
    Von der Geburt zum gesunden Jungtier – Aufzuchtsysteme, Biestmilchversorgung, Milchversorgung, Hygiene, Haltung, Gesundheitskontrolle und Auswahl zukünftiger Zuchttiere.

 

  • Fütterung
    Grundsätze der Ziegenfütterung, Raufutter, Wasser, Mineralstoffversorgung, Futterqualität, Futterwechsel und Rationsgestaltung.

 

 

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL):

 

 

 

 

 

Kontakt

Ziegenzuchtverband Bayern e.V.

(ZVB e.V.)
Senator Gerauer Str. 23a

85586 Poing-Grub

 

Telefon 089 537856

Fax 089 54887671
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