Stallbau / Ziegenstall
Der Ziegenstall
Ein guter Ziegenstall muss den natürlichen Bedürfnissen der Tiere ebenso gerecht werden wie den Anforderungen an eine sichere, hygienische und arbeitserleichternde Bewirtschaftung.
Ziegen sind bewegungsaktive, neugierige und soziale Tiere. Sie klettern, erkunden ihre Umgebung, suchen erhöhte Liegeplätze und leben in einer sozialen Rangordnung.
Ein guter Stall sollte deshalb nicht nur ausreichend Platz bieten, sondern den Tieren auch ermöglichen, sich auszuweichen, zurückzuziehen, gemeinsam zu ruhen und ihrem natürlichen Verhalten nachzugehen.

Ziegen mögen es hell, trocken und gut belüftet. Gleichzeitig muss schädliche Zugluft im Aufenthaltsbereich der Tiere vermieden werden.
Eine gute Stallhygiene und ein günstiges Stallklima haben wesentlichen Einfluss auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Tiere.
Ein guter Ziegenstall bietet:
ausreichend Bewegungs- und Liegeflächen
trockene und saubere Liegebereiche
ausreichend und gut erreichbare Fress- und Tränkeplätze
erhöhte Liege- und Klettermöglichkeiten
Rückzugs- und Ausweichmöglichkeiten
verschiedene, sinnvoll miteinander verbundene Funktionsbereiche
sichere Kratz- und Schubbermöglichkeiten
kurze und arbeitserleichternde Arbeitswege
gute Möglichkeiten zur Tierkontrolle und Separierung
Dabei ist nicht allein entscheidend, wie viele Quadratmeter zur Verfügung stehen. Entscheidend ist auch, wie diese Fläche gestaltet und von den Tieren genutzt werden kann.
Flächenbedarf – mehr als nur Quadratmeter
Für die allgemeine Ziegenhaltung gibt es in Deutschland keine pauschale gesetzliche Mindeststallfläche von beispielsweise 1,5 m² je Ziege. Für die Stallplanung werden jedoch fachliche Orientierungswerte herangezogen.
Bei der Planung sollte die benötigte Fläche nicht ausschließlich anhand einer Quadratmeterzahl berechnet werden.
Ziegen leben in einer sozialen Rangordnung. Ranghöhere Tiere können rangniedere Tiere von Futterplätzen, Liegeflächen oder bestimmten Bereichen verdrängen. Je besser ein Stall strukturiert ist und je mehr Ausweichmöglichkeiten vorhanden sind, desto leichter können die Tiere Konflikten ausweichen.
Ein großzügiger, gut strukturierter Stall mit verschiedenen Bereichen kann deshalb wesentlich mehr Ruhe in eine Herde bringen als eine gleich große, aber völlig unstrukturierte Fläche.
Was beeinflusst den Platzbedarf?
Der tatsächliche Platzbedarf einer Ziegengruppe hängt unter anderem ab von:
Körpergröße und Körpergewicht
Rasse und Entwicklungsstand
Hornstatus
Gruppengröße
sozialer Struktur der Herde
Haltungssystem
Gestaltung und Strukturierung der Stallfläche
Anzahl und Anordnung der Fress- und Tränkeplätze
vorhandenen Rückzugs- und Ausweichmöglichkeiten
Insbesondere größere und schwerere Tiere sowie gehörnte Ziegen können mehr Platz benötigen. Gehörnte Tiere haben einen größeren Individualabstand und benötigen ausreichend Raum, um anderen Tieren auszuweichen.
Auch die Gruppenzusammensetzung spielt eine wichtige Rolle. Eine Fläche, die in einer kleinen, harmonischen Gruppe gut funktioniert, muss bei einer größeren oder sozial unruhigeren Gruppe nicht automatisch dieselben Bedingungen schaffen.
Fressplätze – möglichst kein Gedränge
Der Fütterungsbereich gehört zu den wichtigsten Bereichen eines Ziegenstalles.
Die gesetzlichen Anforderungen verlangen, dass jedes Tier Zugang zu ausreichender Nahrung hat. Die Fütterungseinrichtungen müssen so angeordnet sein, dass Verunreinigungen und Auseinandersetzungen möglichst begrenzt werden.
Darüber hinaus gibt es fachliche Empfehlungen für die Gestaltung der Fressplätze.
Als Orientierung werden beispielsweise etwa 40 cm Fressplatzbreite je Ziege genannt. Je nach Körpergröße, Hornstatus, Fütterungssystem und Gruppenzusammensetzung kann jedoch mehr Platz sinnvoll sein.

Unsere Praxisempfehlung:
Es sollten mehr Fressplätze zur Verfügung stehen, als Ziegen im Stall gehalten werden.
Damit haben die Tiere eine größere Auswahl und rangniedere Tiere können leichter ausweichen.
Wenn alle Tiere gleichzeitig oder ohne lange Wartezeiten fressen können, werden Konkurrenz und Verdrängung reduziert.
Rangniedere Tiere erhalten ausreichend Zeit und Ruhe zur Futteraufnahme.
Heufütterung
Bei der Heufütterung bieten sich beispielsweise mehrere räumlich voneinander getrennte oder frei stehende Heuraufen an.
Dadurch entstehen verschiedene Fressbereiche und die Tiere können einander leichter ausweichen.
Besonders günstig ist eine Anordnung, bei der nicht alle Tiere auf einen einzigen Futterplatz angewiesen sind.
Kraftfutter
Auch beim Kraftfutter sollte darauf geachtet werden, dass rangniedere Tiere nicht regelmäßig verdrängt werden.
Je nach Fütterungssystem können mehrere Fressplätze oder geeignete Fütterungseinrichtungen sinnvoll sein.
Gerade in Milchziegenherden mit unterschiedlichen Leistungsgruppen sollte das Fütterungssystem so gestaltet werden, dass die Tiere möglichst ruhig und ungestört fressen können.
Ausreichende Fressmöglichkeiten sind nicht nur eine Frage der Futterversorgung – sie sind auch ein wichtiger Beitrag zu Ruhe und Harmonie in der Herde.
Strukturierung des Stalles
Ziegen profitieren von einem Stall, der verschiedene Funktionsbereiche miteinander verbindet.
Dabei können beispielsweise folgende Bereiche geschaffen werden:
Fressbereich
Liegebereich
Bewegungsbereich
erhöhte Ebenen
Kletterbereiche
Rückzugsbereiche
Tränkebereich
Bereich für die Tierkontrolle
Separations- und Krankenbuchten
Die Bereiche sollten so angeordnet sein, dass keine unnötigen Engstellen oder Sackgassen entstehen.
Tiere, die einem ranghöheren Tier ausweichen möchten, sollten möglichst eine andere Route wählen können.
Ein gut strukturierter Stall bietet dadurch nicht nur mehr Beschäftigungsmöglichkeiten, sondern unterstützt auch ein ruhigeres Zusammenleben innerhalb der Tiergruppe.
Licht und Tageslicht
Ziegenställe sollten ausreichend hell sein.
Tageslicht unterstützt einen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus und erleichtert außerdem die tägliche Kontrolle der Tiere.
Bei der Planung sollte deshalb auf eine ausreichende natürliche Belichtung geachtet werden. Gleichzeitig müssen Möglichkeiten geschaffen werden, den Stall bei Bedarf ausreichend zu beleuchten, damit auch bei Dunkelheit eine sichere Versorgung und Kontrolle der Tiere möglich ist.

Trockenheit und Stallhygiene
Ziegen benötigen trockene und saubere Liegeflächen.
Feuchtigkeit und verschmutzte Liegebereiche erhöhen den hygienischen und gesundheitlichen Druck im Stall.
Deshalb sollte bereits bei der Planung darauf geachtet werden, dass:
Liegeflächen trocken gehalten werden können,
Tränken möglichst wenig verschmutzen,
Futter nicht unnötig mit Einstreu oder Kot verunreinigt wird,
Mist und verschmutzte Einstreu einfach entfernt werden können,
alle Bereiche gut erreichbar und zu reinigen sind.
Ein Stall sollte nicht nur tiergerecht, sondern auch gut zu reinigen und zu bewirtschaften sein.
Tränken und Wasserversorgung
Die gesetzlichen Anforderungen verlangen, dass jedes Tier Zugang zu ausreichender Menge Wasser hat.
Tränken sollten für alle Tiere gut erreichbar sein und so angebracht werden, dass sie möglichst wenig verschmutzen.
Außerdem sollte die Anordnung so gewählt werden, dass rangniedere Tiere nicht unnötig von der Wasserversorgung verdrängt werden.
Als fachlicher Richtwert nennt die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT) etwa eine Tränke für 20 Tiere. Dieser Wert ist jedoch keine pauschale gesetzliche Mindestvorgabe.
Unsere Praxisempfehlung:
Bei größeren Tiergruppen sind mehrere Tränkemöglichkeiten sinnvoll. So können die Tiere ihren Wasserbedarf möglichst ohne Wartezeiten und ohne unnötige Auseinandersetzungen decken.
Tränken sollten möglichst nicht unmittelbar im Liegebereich angeordnet werden, damit ruhende Tiere nicht unnötig gestört werden.
Besondere Bereiche einplanen
Ein Ziegenstall sollte nicht nur für den Normalbetrieb geplant werden.
Zusätzliche Flächen werden beispielsweise benötigt für:
Ablammbuchten
Mutter-Kitz-Bereiche
Jungtiere verschiedener Altersgruppen
kranke oder behandlungsbedürftige Tiere
Quarantäne und Eingliederung
Böcke
vorübergehend abzusondernde Tiere
Solche Bereiche von Anfang an vorzusehen, erleichtert die tägliche Arbeit und ermöglicht eine bessere Versorgung der Tiere.
Gerade bei einer größeren Milchziegenherde sollte der zusätzliche Platzbedarf während der Ablammzeit nicht unterschätzt werden.
Arbeitserleichterung mitplanen
Ein Stall wird über viele Jahre genutzt. Deshalb sollte bei der Planung nicht nur an die Tiere, sondern auch an die Menschen gedacht werden, die täglich darin arbeiten.
Arbeitswege sollten möglichst kurz und logisch sein.
Zu berücksichtigen sind unter anderem:
Futterlagerung und Futtertransport
Befüllung der Futtereinrichtungen
Wasserversorgung
Entmistung
Tierkontrolle
Separieren und Fixieren einzelner Tiere
Klauenpflege und Behandlungen
Tiertransporte
Ablammmanagement
Milchgewinnung und Milchtransport
Was täglich erledigt werden muss, sollte möglichst einfach, sicher und mit möglichst kurzen Wegen funktionieren.
Eine gute Arbeitswirtschaft spart Zeit und Kosten und reduziert gleichzeitig die körperliche Belastung der im Betrieb arbeitenden Personen.
Melkbereich bei Milchziegen
Bei Milchziegen sollte der Melkbereich von Anfang an in das Stallkonzept einbezogen werden.
Melkstand, Wartebereich, Tierführung und Milchraum sollten so angeordnet sein, dass ein ruhiger und möglichst gleichmäßiger Ablauf möglich ist.
Kurze Wege und eine gute Tierführung erleichtern die tägliche Arbeit.
Auch eine mögliche spätere Erweiterung der Herde oder der Melktechnik sollte bei der Planung berücksichtigt werden.
Stallbau oder Umbau?
Nicht immer ist ein Neubau erforderlich. Häufig können vorhandene Gebäude für die Ziegenhaltung umgebaut oder erweitert werden.
Vor einer Entscheidung sollte geprüft werden:
Ist das Gebäude für die geplante Tierzahl geeignet?
Lässt sich ein gutes Stallklima herstellen?
Sind ausreichend Liege- und Bewegungsflächen möglich?
Können Fütterung und Tränke sinnvoll eingerichtet werden?
Sind erhöhte Ebenen und Strukturierung möglich?
Können Ablammbuchten und Separationsbereiche geschaffen werden?
Ist eine hygienische Reinigung möglich?
Sind die Arbeitsabläufe praktikabel?
Ist eine spätere Erweiterung möglich?
Sind die baurechtlichen Voraussetzungen erfüllt?
Ein vorhandenes Gebäude kann eine wirtschaftlich interessante Lösung sein. Ein zunächst günstiger Umbau kann jedoch teuer werden, wenn wichtige Anforderungen an Stallklima, Tierführung, Hygiene oder Arbeitswirtschaft später nur mit großem Aufwand umgesetzt werden können.
Neubau vorausschauend planen
Wer einen neuen Ziegenstall baut, sollte nicht nur den heutigen Tierbestand betrachten.
Geplante Veränderungen der Herdengröße, der Vermarktung, der Milchgewinnung oder der Haltung sollten möglichst früh berücksichtigt werden.
Lieber etwas großzügiger planen, als wenige Jahre später wieder anbauen zu müssen.
Zusätzlicher Platz kann außerdem genutzt werden, um den Stall besser zu strukturieren und den Tieren mehr Bewegungs-, Liege- und Ausweichmöglichkeiten zu bieten.
Gleichzeitig sollte ein Stall natürlich nicht unnötig groß und damit unwirtschaftlich geplant werden.
Ziel sollte eine bedarfsgerechte, funktionale und wirtschaftlich tragfähige Lösung sein, die zur langfristigen Entwicklung des Betriebes passt.
Sicherheit
Ziegen sind neugierig, geschickt und können sehr gut klettern und springen. Stall- und Einrichtungselemente müssen deshalb stabil und sicher ausgeführt sein.
Besonderes Augenmerk sollte auf folgende Punkte gelegt werden:
stabile Türen, Tore und Abtrennungen
sichere Fressgitter
keine scharfkantigen oder hervorstehenden Bauteile
sichere erhöhte Ebenen
rutschfeste Böden
sichere Elektroinstallationen
sichere Lagerung von Futtermitteln und Betriebsmitteln
geeignete Einrichtungen zur Tierbehandlung und Fixierung
Auch die Arbeitswege müssen so geplant werden, dass Menschen und Tiere möglichst sicher miteinander arbeiten können.
Baurecht und Genehmigungen
Vor einem Neu-, Um- oder Erweiterungsbau sollten die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen frühzeitig geklärt werden.
Je nach Standort und Vorhaben können unter anderem Fragen des
Baurechts
Immissionsschutzes
Brandschutzes
Wasserrechts
Nachbarschaftsschutzes
betroffen sein.
Erste Ansprechpartner sind die zuständigen Behörden und Fachstellen vor Ort. Dazu können insbesondere die Gemeinde, das zuständige Landratsamt sowie das zuständige Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gehören.
Die konkreten Anforderungen hängen vom jeweiligen Standort, der Betriebsgröße und dem geplanten Bauvorhaben ab.
Baurechtliche Fragen sollten immer vor einer endgültigen Investitionsentscheidung geklärt werden.
Beratung und Praxisbeispiele nutzen
Bevor gebaut oder umgebaut wird, lohnt es sich, möglichst viele unterschiedliche Ziegenställe anzuschauen.
Besonders wertvoll sind Besichtigungen bestehender Ziegenbetriebe. Dort lässt sich nicht nur erkennen, wie ein Stall aussieht, sondern auch, wie er im täglichen Arbeitsablauf funktioniert.
Interessant sind dabei beispielsweise:
Fütterung
Tierführung
Entmistung
Melken
Ablammbereich
Jungtierhaltung
Separationsmöglichkeiten
Stallklima
Arbeitswege
Auch Erfahrungen anderer Ziegenhalter können helfen, Planungsfehler zu vermeiden.
Die Fachberatung und die Verantwortlichen des Ziegenzuchtverbandes Bayern e.V. können bei der Suche nach Ansprechpartnern und geeigneten Praxisbetrieben behilflich sein.
Fazit
Ein guter Ziegenstall muss nicht nur möglichst viel Fläche bieten.
Entscheidend ist, wie diese Fläche gestaltet und von den Tieren genutzt werden kann.
Ein gut strukturierter Stall mit ausreichend Fressplätzen, verschiedenen Aufenthaltsbereichen, erhöhten Liege- und Klettermöglichkeiten, frei stehenden Heuraufen sowie geeigneten Kratz- und Schubbermöglichkeiten schafft gute Voraussetzungen für eine ruhige und harmonische Tiergruppe.
Wenn Tiere ausweichen können, nicht ständig um Futterplätze konkurrieren müssen und genügend Zeit und Ruhe zur Futteraufnahme haben, wirkt sich dies positiv auf das Zusammenleben der Herde aus.
Auch bei der Stallgröße lohnt es sich, vorausschauend zu denken. Etwas mehr Platz bietet nicht nur den Tieren mehr Bewegungsfreiheit, sondern kann auch dem Betrieb später viel Arbeit und Kosten ersparen.
Die beste Investition ist:
Sich Zeit nehmen, viel anschauen, ausführlich beraten lassen und dann erst planen!







