Räude
Informationen für Ziegenhalter
Räude ist eine durch Milben verursachte Hauterkrankung, die auch bei Ziegen auftreten kann. Sie zählt zu den sogenannten Ektoparasitosen, da die Erreger auf der Haut oder im Fell der Tiere leben.
Je nach Milbenart können unterschiedliche Formen der Räude auftreten. Allen gemeinsam ist, dass sie erheblichen Juckreiz verursachen und das Wohlbefinden der Tiere deutlich beeinträchtigen können. Unbehandelt kann sich die Erkrankung innerhalb einer Herde ausbreiten und zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen.
Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung ist deshalb besonders wichtig.
Welche Milben verursachen Räude?
Bei Ziegen kommen verschiedene Räudemilben vor. Zu den wichtigsten gehören:
Sarcoptes-Milben (Grabmilben)
Psoroptes-Milben (Saugmilben)
Chorioptes-Milben (Fußräude)
Demodex-Milben (Haarbalgmilben)
Die Krankheitsanzeichen unterscheiden sich je nach Milbenart und Befallsstärke.
Krankheitsanzeichen
Erste Anzeichen werden häufig übersehen oder zunächst mit anderen Hauterkrankungen verwechselt.
Mögliche Symptome sind:
starker Juckreiz
häufiges Scheuern an Zäunen, Bäumen oder Stallwänden
Haarausfall
kahle Hautstellen
Schuppenbildung
Krustenbildung
gerötete oder verdickte Haut
Unruhe
Gewichtsverlust bei länger bestehendem Befall
Leistungseinbußen und Rückgang der Milchleistung
Die Veränderungen beginnen häufig an Ohren, Kopf, Hals oder Beinen und können sich auf weitere Körperbereiche ausbreiten.
Wie wird Räude übertragen?
Räudemilben werden überwiegend durch direkten Tierkontakt übertragen.
Eine Ansteckung ist jedoch auch indirekt möglich, beispielsweise über:
Stall- und Liegeflächen
Bürsten und Pflegegeräte
Transportfahrzeuge
gemeinsam genutzte Einrichtungen
Neu zugekaufte Tiere können Räudemilben einschleppen, ohne zunächst deutliche Krankheitsanzeichen zu zeigen.
Warum sollte Räude frühzeitig behandelt werden?
Räude verursacht nicht nur starken Juckreiz und Stress für die Tiere.
Mit zunehmender Dauer verschlechtert sich häufig der Hautzustand. Durch das ständige Scheuern entstehen Verletzungen, in die Bakterien eindringen können. Sekundärinfektionen erschweren den Krankheitsverlauf zusätzlich.
Außerdem erhöht sich das Risiko, dass sich weitere Tiere innerhalb der Herde anstecken.
Eine frühzeitige Behandlung verbessert die Heilungschancen und trägt dazu bei, die Ausbreitung der Erkrankung zu begrenzen.
Behandlung
Besteht der Verdacht auf Räude, sollte möglichst frühzeitig die betreuende Tierärztin oder der betreuende Tierarzt hinzugezogen werden.
Da verschiedene Milbenarten ähnliche Krankheitsbilder verursachen können, ist eine sichere Diagnose wichtig, um die geeignete Behandlung auszuwählen.
Während der Behandlung sollten die Anweisungen der Tierärztin oder des Tierarztes sorgfältig eingehalten werden. Je nach eingesetztem Arzneimittel können Wiederholungsbehandlungen erforderlich sein.
Reinigung und Hygienemaßnahmen
Eine erfolgreiche Bekämpfung umfasst nicht nur die Behandlung der betroffenen Tiere.
Ebenso wichtig sind geeignete Hygienemaßnahmen im Stall:
Stall und Liegeflächen gründlich reinigen
Bürsten, Halfter und Pflegegeräte säubern
häufig genutzte Kontaktflächen reinigen
stark verschmutzte Einstreu entfernen
betroffene Tiere möglichst von gesunden Tieren trennen
Kontaktgruppen beobachten
Nur durch die Kombination aus Behandlung und Hygiene lässt sich das Risiko einer erneuten Ansteckung deutlich verringern.
Vorbeugung
Nicht jeder Räudebefall lässt sich verhindern. Einige Maßnahmen helfen jedoch, das Risiko zu reduzieren:
Tiere regelmäßig beobachten
Haut und Fell kontrollieren
Neuzugänge zunächst getrennt halten
Stallhygiene konsequent einhalten
auf einen guten Ernährungs- und Gesundheitszustand der Tiere achten
bei ersten Auffälligkeiten frühzeitig tierärztlichen Rat einholen
Ist Räude auf den Menschen übertragbar?
Einige Räudemilben können vorübergehend auch beim Menschen Hautreizungen verursachen. Die Milben vermehren sich auf der menschlichen Haut jedoch in der Regel nicht dauerhaft.
Bei engem Kontakt mit befallenen Tieren sollten deshalb Schutzhandschuhe getragen und die Hände anschließend gründlich gereinigt werden.
Bei anhaltenden Hautveränderungen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Was ist bei einem Verdacht zu tun?
Zeigt eine Ziege auffälligen Juckreiz oder Hautveränderungen, sollte sie möglichst zeitnah untersucht werden.
Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung schützt nicht nur das betroffene Tier, sondern hilft auch, eine Ausbreitung innerhalb der Herde zu verhindern.
Hinweis
Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine tierärztliche Beratung. Maßgeblich sind stets die Empfehlungen der behandelnden Tierärztin oder des behandelnden Tierarztes.
Gut zu wissen
Juckreiz und Hautveränderungen können viele Ursachen haben. Neben Räude kommen beispielsweise auch Läuse, Haarlinge, Pilzerkrankungen, Allergien oder Mineralstoffmängel infrage. Eine sichere Diagnose ist deshalb Voraussetzung für eine gezielte Behandlung.
Tipp aus der Praxis
Kontrollieren Sie Ihre Tiere regelmäßig – insbesondere während der Wintermonate, bei Stallhaltung sowie nach dem Zukauf neuer Tiere. Je früher ein Räudebefall erkannt wird, desto einfacher lässt sich eine Ausbreitung innerhalb der Herde verhindern.







