Körung - Auswahl für die Zucht geeigneter Tiere
Körung ist die Auswahl geeigneter Tiere für die Zucht durch sachkundige Richter. Bei verschiedenen Arten von Haustieren, beispielsweise Pferden, Rindern, Schweinen, Ziegen, usw., müssen die Vatertiere gekört werden, bevor sie zur Zucht zugelassen werden. Den Vorgang regeln einerseits die Vorschriften von Zuchtverbänden und andererseits Gesetze.

1. Körung von Ziegenböcken und Ziegen
Ziegenböcke und Ziegen unterliegen einer Körung bzw. Bewertung. Diese wird durch eine vom Ausschuss des Ziegenzuchtverband Bayern e.V. bestimmte Körkommission durchgeführt. Die Ergebnisse werden im Anschluss öffentlich bekannt gegeben.
Die Körkommission setzt sich aus dem Zuchtleiter, Fachberatern, den Vorsitzenden der Bezirksverbände sowie weiteren vom Verbandsausschuss bestellten Personen zusammen.
Vor Beginn der Körung erfolgt eine Einweisung durch den Zuchtleiter. Dabei werden neben den rassetypischen Merkmalen gemäß aktuellem Zuchtstand auch bestehende Mängel thematisiert, die züchterisch reduziert werden sollen. So wird beispielsweise bei Böcken von Milchziegenrassen verstärkt auf Neben- bzw. Beistriche geachtet, da sich diese unerwünschten Merkmale auch auf die weibliche Nachzucht vererben können.
Im Rahmen der Körung werden die Böcke in die Zuchtwertklassen (ZWK) I, II, III und IV eingestuft. Grundlage der Beurteilung sind insbesondere die Merkmale Form, Rahmen und Bemuskelung.
Bei den weiblichen Tieren werden ebenfalls Form, Rahmen und Bemuskelung bewertet (bei Milchziegenrassen teilweise freiwillig), zusätzlich wird – sofern die Tiere bereits laktieren – das Euter beurteilt. Bei Jungtieren liegt der Fokus im Bereich Euter vor allem auf korrekt ausgebildeten Zitzen sowie auf möglichen Fehlanlagen.
Tiere der Zuchtwertklasse IV gelten als „abgekört“ und sind von der Zucht ausgeschlossen.
In Bayern dürfen ausschließlich Böcke der Zuchtwertklassen I und II in der Herdbuchzucht eingesetzt werden. Ziel ist es, durch den Einsatz hochwertiger Tiere den Zuchtfortschritt zu sichern und die Qualität der Population nachhaltig zu verbessern.
Böcke ab ZWK III weisen relevante Mängel auf und können zu unerwünschten Rückschritten in der Zucht führen.
2. Einteilung in die Zuchtwertklassen
Die Ziegenbeurteilung
Die Beurteilung der Tiere
Böcke: Form, Rahmen und Bemuskelung = F - R - B
Ziegen/Jungziegen: Form, Rahmen, Bemuskelung (bei Milchziegen freiwillig), Euter = F - R - (B) - E
erfolgt nach einer Notenskala von 1 bis 9, wobei die Note 9 die höchste, beste darstellt.
Zuchtwertklassen:
I alle mindestens Note 7
II alle mindestens Note 6
III alle mindestens Note 5
IV eine Note 4 oder weniger (z.B. theoretisch Bock trotz 2 x Note 9 eine Note 4 oder weniger wegen einem gravierenden Mangel)
Ziegenbeurteilung
| Äußere Erscheinung Form, Typ, Fundament | Rahmen Länge, Tiefe Größe | Note | Bemuskelung Keule, Rücken, Lende, Fettansatz | Euter
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| Rücken. Becken. Schulter. Fundament ohne Mängel | dem Zuchtziel voll entsprechend | 9 | ausreichend bemuskelt | völlig gleichmäßig, geräumig, straff, erwünscht: Strichstellung und -form (nur ab 2. Lakt.) ohne Nebenstriche |
| vereinzelte, unwesentliche Mängel | insgesamt gut im Rahmen | 8 | voll bemuskelt. leichte Verfettung | ausgezeichnetes Euter/Striche
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| einige leichtere Mängel | nicht voll entsprechend | 7 | gut bemuskelt, stärkere Verfettung | gutes Euter, leicht gespalten.
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| leichtere Mängel mit der Veranlagung zu später starker ausgeprägten Mangel | ausreichend im Rahmen | 6 | leichte Mängel in der Muskelfülle, starke Verleitung | leichte Mängel in Sitz und Strichform, nicht ganz gleichmäßig
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| durchschnittliche Erscheinung mit Mängeln, wie: abgezogenes Becken, kuhhessig. Fessel leicht nachgebend | durchschnittlich | 5 | durchschnittliche, mittlere Bemuskelung | durchschnittlich, leichtere Mängel in Größe, Sitz, Strichform nicht ganz gleichmäßig |
| deutlicher Mangel in wirtschaftlich wichtigem Merkmal | im Rahmen unter- durchschnittlich, bzw. überrahmig | 4 | Mängel in der Muskelfülle, schmal | größere Mängel, lockerer Sitz.
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| ausgeprägte Mangel in wirtschaftlich wichtigen Merkmalen | im Rahmen nicht mehr entsprechend | 3 | mangelhafte Bemuskelung | klein, sehr locker, stark ungleich, schlechte Strichform
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| starke Verbrauchserscheinungen | klein, kurz | 2 | schlechte Bemuskelung | größere Mängel
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| Erbmängel | Zwergwuchs | 1 | sehr schlechte Bemuskelung | erhebliche Mängel |
Tabelle aus Brems Buch „Exterieurbeurteilung landwirtschaftliche Nutztiere“
Die vorgestellten Ziegen und Böcke müssen reinrassig sein, und die entsprechenden Abstammungsnachweise müssen vollständig vorliegen. Die Tiere haben den Anforderungen der Richtlinien des Bundes Deutscher Ziegenzüchter (BDZ) sowie den jeweiligen Herdbuchprogrammen zu entsprechen. Zudem ist eine vollständige und korrekte Ohrmarken-Kennzeichnung erforderlich.
Der Züchter hat sicherzustellen, dass die Muttertiere bereits bewertet wurden. Ist dies nicht der Fall, ist eine nachträgliche Bewertung durch einen zuständigen Fachberater zu veranlassen. Beurteilungen im Rahmen von Prämierungen sind nur gültig, wenn sie von einem bayerischen Fachberater durchgeführt wurden.
Leistungsanforderungen an Bockmütter (Milchziegenrassen)
Für Züchter von Milchziegenrassen gelten folgende Mindestanforderungen:
Zuchtwert von mindestens 100 bei einer Sicherheit von ≥ 20 %
oderErfüllung der Mindestleistungen in der 240-Tage-Leistung ab der zweiten Laktation:
BDE und WDE: mindestens 45 kg Fett und Eiweiß, Milchwert ≥ 90
Andere Rassen: mindestens 40 kg Fett und Eiweiß
In der ersten Laktation reduzieren sich die Anforderungen um 10 kg Fett und Eiweiß. Liegt bei Erstlingsziegen noch keine 240-Tage-Leistung vor, müssen beide Großmütter die entsprechenden Leistungsanforderungen erfüllen.
Für die Zuchtwertschätzung im Bereich Milchleistung sind insbesondere die Merkmale Fett- und Eiweißmenge sowie der Milchwert maßgeblich, basierend auf der 240-Tage-Leistungskontrolle (vgl. „Liste der Laktationen“, „Zwischenbericht“ und „Zuchtbuchblatt“).
Die Bockmutter muss zudem bewertet und in die Zuchtwertklasse I oder II eingestuft sein.
Weitere Voraussetzungen
Genetisch hornlose Böcke, bei denen kein Elterntier behornt ist, müssen entweder auf Fruchtbarkeit untersucht oder genetisch getestet (per PIS-Test genotypisiert) werden.
Auch Böcke aus eigener Zucht können zur Marktkörung vorgestellt werden. Diese werden im Katalog entsprechend als „nur zur Körung“ gekennzeichnet und stehen nicht zum Verkauf.
Die aufgetriebenen Tiere dürfen ausschließlich aus Beständen stammen, die als CAE-unverdächtigen und Pseudo-Tuberkulose-unverdächtig gelten (Nachweis durch gültige Bescheinigung). Zudem müssen die Tiere frei von klinischen Krankheitsanzeichen sein. Am Markttag erfolgt eine zusätzliche tierärztliche Untersuchung.
3.1. Reihung der Tiere
Nur innerhalb der Tiere der Zuchtwertklasse I erfolgt dann bei den Absatzveranstaltungen noch eine Reihung der Tiere, d. h. es wird zum Schluss der Wertung von der Körkommission festgelegt, welcher Bock/welche Ziege an erster, zweiter, dritter, usw. Stelle steht.
Dies ist erkenntlich an der Wertung: Ia, Ib, Ic, usw. oder IIa, IIb, IIc, usw..
Der beste Bock (oder seltener auch die beste Ziege) der Veranstaltung wird von der Körkommission als Sieger der Veranstaltung ausgelobt und eventuell mit entsprechenden Sonderpreisen belegt.
Bei den Landesziegenschauen u. ä. wird genauso verfahren. Hier werden oft noch Ziegen nach weiteren Wertungen gelistet:
Bester Bock oder Ziege der Milchziegenrassen, Fleischziegenrassen, Extensivrassen
Klassensieger innerhalb bestimmter Gruppen (Rassen oder Alter oder …)
Beste Züchtersammlung ... usw.
3.2. Bewertung bei Landesziegenschauen oder ähnlichen Veranstaltungen
Bewertungen, vorrangig der weiblichen Tiere, werden nur anerkannt, wenn auch ein/e bayerische/r Fachberater/in an der Beurteilung der Tiere bei diesen Veranstaltungen mitgewirkt hat.
3.3. Stallkörung
Oberstes Ziel des Ziegenzuchtverbandes ist, dass möglichst alle zur Bewertung anstehenden Böcke bei der Absatzveranstaltung gekört werden.
Eine Stallkörung ist in Hinsicht auf den zeitlichen und personellen Aufwand wesentlich höher, als bei der Marktkörung. Außerdem steht das Tier bei der Stallkörung in keiner Konkurrenz und keinem Vergleich zu anderen Tieren. Zudem bietet die Marktkörung der Körkommission und aber auch den Züchtern, einen noch besseren Überblick über den jeweils aktuellen Zuchtstand, was bei den Stallkörungen nicht gegeben ist.
Eine Stallkörung der Böcke soll deshalb nur eine Notlösung sein, wenn z.B. die Tiere vor allem ins Ausland verkauft werden oder erst zu einem späteren Termin als den Markttermin in einem körfähigen Alter oder vom Züchter selbst erst später – aus dem Ausland - erworben worden sind.
Für die Hofkörung ist ab 01.01.2020 ein Antrag notwendig. Das Formular dazu finden sie hier Antrag auf Stallkörung (Word-Dokument) oder Antrag auf Stallkörung (PDF) für Zuchtböcke, bitte ausgefüllt an den ZVB e.V. senden.
4. Fehlerhafte Tiere
Nachfolgend werden Zug um Zug Zeichnungen und Fotos eingestellt, die gravierende Mängel und Anomalien der Ziegen zeigen und in der Regel zum Zuchtausschluss führen.
Gleichzeitig bitten wir Sie uns Fotos mit einer kurzen Beschreibung zukommen zu lassen, gerne per E-Mail an: , die Fehler bei Tieren zeigen und die wir dann hier veröffentlichen dürfen. Vielen Dank :-)!
4.1. Bock mit Ansatz vier Hörner:
Ziegen aller vom Bundesverband Deutscher Ziegenzüchter (BDZ) anerkannter Rassen haben nur 2 Hörner, dieser Weiße Deutsche Edelziege (WDE) Bock zeigt jedoch vier Ansätze und gehört deshalb aus der Zucht ausgeschlossen.

4.2. Zwitterbildung (Zwischengeschlechtlichkeit)
Unter der Nachzucht bei Ziegen befinden sich auch manchmal zwischengeschlechtliche Tiere, die weder als rein männlich noch als rein weiblich sind. Häufiger war dies früher als immer wieder nur rein mit hornlosen Ziegen und Böcken gezüchtet wurde und das oft noch sehr eng in der Blutlinie. Gehörnte Tieren war lange Zeit von der Zucht ausgeschlossen. Eine wesentliche Verbesserung wurde durch den Einsatz von gehörnten Ziegen und Böcken erreicht. Die Zwitterbildung nahm wieder stark ab. Dennoch finden sich immer wieder einmal zwischengeschlechtliche Tiere.
Sind offenkundige Zwitter noch leicht zu erkennen, so wird erst oft sehr spät, im zuchtfähigen Alter, erkannt, dass das Tier ein so genannter „Innenzwitter“ ist. Tiere, die äußerlich vollständig weiblich sind, aber männliche Geschlechtsdrüsen eingelagert haben. Oft sind gerade dies besonders kräftige formschöne Tiere, die man mit großen Züchterhoffnungen decken lässt…..um dann erst bei der Schlachtung die Zwitterbildung zu erkennen.
Auch milchgebende Ziegenböcke sind bekannt. (Auszug: Dr. Ringler, Erfolgreiche Ziegenzucht und –haltung)


4.3. Saumaul
Immer wieder gibt es Ziegen, die eine starke Verkürzung des Unterkiefers gegenüber dem Oberkiefer haben. Dieser Erbfehler kann nicht geduldet werden und führt zum Zuchtausschluss (Abkörung).
Nur normale, gut entwickelte „Freßorgane“ sind Voraussetzung für eine gute Futteraufnahme und einer entsprechenden Leistung (Dr. Ringler, Erfolgreiche Ziegenzucht und –haltung).

4.4. Mehrere Striche bei Milchziegen und Milchziegenböcken:
Die Milchziege hat zwei Striche. Alles andere sind Anomalien und führen zum Ausschluss, da sich diese Fehler auch hartnäckig vererben.
„Der Bock ist die halbe Herde“, gerade deshalb ist darauf zu achten, dass nur Böcke ohne Mängel in der Zucht eingesetzt werden.
Bei der Körung aller Tiere wird besonders auf diese Fehler geachtet, damit nur Böcke und Ziegen mit zwei Zitzen in die Zucht kommen.
Fehlerhafte Tiere (hier ein Jungbock mit vier Zitzen, wie das nebenstehende Bild zeigt) führen unweigerlich zum Ausschluss aus der Zucht.

4.5. Nabelbruch, Nabelentzündungen
Böcke mit Nabelentzündungen oder Nabelbruch sind aus der Zucht auszuschließen. Sie können das Tier gesundheitlich stark beeinträchtigen und zur Unfruchtbarkeit führen. Oft zeigen diese Tiere auch eine verminderte Deckbereitschaft.
