Fleischziegen

 

Einstieg in die Fleischziegenhaltung

 

Sie interessieren sich für die Haltung von Fleischziegen – zur Fleischproduktion, zur Zucht, zur Nutzung geeigneter Flächen oder als Teil einer vielseitigen Ziegenhaltung?

Dann gelten zunächst die gleichen Grundlagen wie für jede andere Ziegenhaltung.

 

Die Auswahl geeigneter Tiere, eine passende Tierzahl, geeignete Stall- und Weideflächen, eine sichere Einzäunung, eine bedarfsgerechte Fütterung und Wasserversorgung sowie eine gute Gesundheitsvorsorge bilden die Grundlage für eine tiergerechte Ziegenhaltung.

 

Unser Wegweiser in die Ziegenhaltung gibt einen ersten Überblick über die wichtigsten Fragen, die bereits vor der Anschaffung der ersten Tiere geklärt werden sollten. Dazu gehören unter anderem die Wahl von Rasse bzw. Rassetyp, Tierzahl und Haltungssystem sowie die Planung von Stall, Weide, Fütterung und Gesundheitsvorsorge.

 

Auch die allgemeinen Informationen auf unserer Homepage zu Haltung, Stallbau, Fütterung, Tiergesundheit und Kitzaufzucht gelten selbstverständlich für Fleischziegen.

 

 

 

Was ist bei Fleischziegen besonders?

 

Fleischziegenhaltung ist nicht einfach Milchziegenhaltung ohne Melken.

 

Während bei Milchziegen die Erzeugung von Milch und damit unter anderem Milchleistung, Milchinhaltsstoffe und Eutergesundheit im Mittelpunkt stehen, liegt der Schwerpunkt bei Fleischziegen auf anderen Leistungsmerkmalen.

 

Von besonderer Bedeutung sind insbesondere:

  • Wachstum und tägliche Zunahmen

  • Körperbau und Bemuskelung

  • Fruchtbarkeit

  • Muttereigenschaften und Aufzuchtleistung

  • Gesundheit und Robustheit

 

Diese Merkmale sind allerdings nicht ausschließlich für Fleischziegen von Bedeutung. Auch bei Milchziegen spielen beispielsweise Fruchtbarkeit, Muttereigenschaften, Gesundheit und Robustheit eine wichtige Rolle. Der Unterschied liegt vor allem darin, welche Leistungen im jeweiligen Zucht- und Produktionsziel besonders gewichtet werden.

 

Welche Eigenschaften dabei im Einzelnen wichtig sind, hängt vom Rassetyp, dem Haltungssystem und dem jeweiligen Betriebsziel ab.

 

 

 

Burenziegenbock_Zuchtprogramme_Foto BY
 
Fleischziegen – kräftig und auf Wachstum ausgerichtet

 

Fleischziegen werden auf einen kräftigen Körperbau, gute Bemuskelung und eine gute Wachstums- und Aufzuchtleistung gezüchtet. Ziel ist es, Tiere zu erzeugen, die sich für die Fleischproduktion eignen und gleichzeitig gesund, fruchtbar und funktionell sind.

 

Ein Beispiel ist die Burenziege, die beim Ziegenzuchtverband Bayern eine zentrale Rolle innerhalb der Fleischziegenzucht einnimmt. Sie wird als kräftige und gut bemuskelte Fleischziege beschrieben. Charakteristisch sind unter anderem der lange Rumpf sowie die ausgeprägte Bemuskelung von Keule, Rücken und Schulter.

 

Dabei geht es nicht allein um möglichst schwere Tiere. Ein funktioneller Körperbau, korrekte Gliedmaßen, Gesundheit, Fruchtbarkeit und gute Muttereigenschaften sind ebenso wichtige Bestandteile einer erfolgreichen Fleischziegenzucht.

 

 

 

Burenziege_Zuchtprogramm_Foto SN
 
Die Mutterziege spielt eine zentrale Rolle

 

Auch in der Fleischziegenhaltung spielt die Leistung der Muttertiere eine wichtige Rolle.

 

Eine gute Fruchtbarkeit, problemlose Ablammungen, ausgeprägte Muttereigenschaften und eine ausreichende Milchleistung für die Versorgung der Kitze tragen wesentlich dazu bei, gesunde und gut entwickelte Jungtiere aufzuziehen.

 

Von Bedeutung sind deshalb unter anderem:

  • gute Fruchtbarkeit,

  • problemloses Ablammen,

  • ausgeprägte Muttereigenschaften,

  • ausreichende Milchleistung für die Versorgung der Kitze,

  • vitale und wüchsige Kitze sowie

  • möglichst geringe Kitzverluste.

 

Diese Eigenschaften sind auch in anderen Nutzungsrichtungen von Bedeutung. Bei Fleischziegen kommt ihnen jedoch im Hinblick auf Aufzuchtleistung, Wachstum und die spätere Nutzung der Kitze eine besondere Bedeutung zu.

 

Die Burenziege beispielsweise wird vom ZVB ausdrücklich mit guten Muttereigenschaften und einer hohen Milchleistung zu Beginn der Säugeperiode beschrieben.

 

 

 

Kitzaufzucht rechtzeitig planen

 

Auch bei Fleischziegen sollte die Kitzaufzucht bereits vor der Ablammzeit geplant werden.

 

Die grundlegenden Anforderungen an die Versorgung und Haltung der Kitze gelten unabhängig davon, ob die Tiere später als Zuchttiere, zur Fleischproduktion oder für andere Zwecke eingesetzt werden.

 

Bei Fleischziegen kommen insbesondere die Wachstums- und Entwicklungsleistung der Kitze sowie die Auswahl geeigneter Tiere für die eigene Nachzucht hinzu.

 

Zu klären ist beispielsweise:

  • Wie viele Kitze werden voraussichtlich geboren?

  • Welche Tiere sollen für die eigene Nachzucht behalten werden?

  • Wie werden die Kitze versorgt?

  • Welche Stall- und Buchtenflächen werden benötigt?

  • Wie wird die Versorgung mit Biestmilch sichergestellt?

  • Wie werden nicht benötigte Tiere später genutzt oder vermarktet?

 

Das Aufzuchtverfahren – beispielsweise am Muttertier, getrennt oder in einer zeitweisen Kombination verschiedener Verfahren – sollte zum jeweiligen Betriebskonzept passen. Entscheidend sind eine ausreichende Versorgung, gute Tiergesundheit und eine sinnvolle Arbeits- und Kostenstruktur.

 

Weitere Informationen: 

 

 

 

Fütterung – Wachstum braucht eine bedarfsgerechte Versorgung

 

Auch bei Fleischziegen ist eine bedarfsgerechte Fütterung entscheidend.

 

Das Ziel sollte nicht darin bestehen, Tiere möglichst schnell und unabhängig von ihrem Entwicklungsstadium schwer zu machen. Entscheidend ist vielmehr eine gute, ihrem Alter und ihrer Leistung entsprechende Entwicklung.

 

Besonders zu berücksichtigen sind dabei:

  • Muttertiere während Trächtigkeit und Säugezeit,

  • wachsende Kitze und Jungtiere,

  • Zuchtböcke insbesondere während der Decksaison,

  • Qualität und Menge des vorhandenen Grundfutters,

  • Mineralstoffversorgung und

  • der tatsächliche Bedarf der jeweiligen Tiergruppe.

     

Eine gute Grundfutterversorgung bildet auch bei Fleischziegen die Basis. Je nach Alter, Entwicklungsstand und Leistungsphase kann eine Ergänzung erforderlich sein.

 

Weitere Informationen: 

 

 

 

Weidehaltung und Landschaftspflege

 

Fleischziegen können – wie andere Ziegen auch – in unterschiedlichen Haltungssystemen gehalten und zur Beweidung geeigneter Flächen eingesetzt werden.

 

Je nach Rasse, Tier und betrieblichem Ziel können Ziegen auch für die Landschaftspflege interessant sein. Welche Tiere und welches Haltungssystem dafür geeignet sind, hängt unter anderem von der Beschaffenheit und dem Bewuchs der Flächen, dem Futterangebot, der Tierzahl und der geplanten Nutzungsdauer ab.

 

Bei Fleischziegen sollte zusätzlich berücksichtigt werden, wie sich die Nutzung der Flächen mit dem jeweiligen Zucht- und Leistungsziel verbinden lässt. Wachsende Tiere und säugende Muttertiere haben beispielsweise einen anderen Nährstoffbedarf als Tiere in einer reinen Erhaltungsphase.

 

Auch bei Weidehaltung benötigen die Tiere jederzeit ausreichend Wasser sowie geeigneten Schutz vor Witterung. Eine sichere und ziegengeeignete Einzäunung und eine regelmäßige Kontrolle der Tiere bleiben ebenfalls unverzichtbar.

 

Weitere Informationen: 

 

 

 

Stall und Haltung

 

Auch bei überwiegender Weidehaltung benötigen Fleischziegen einen geeigneten Witterungs- und Rückzugsbereich.

 

Der Stall bzw. Unterstand sollte ausreichend Platz zum Liegen und Ruhen bieten und eine sichere Versorgung und Kontrolle der Tiere ermöglichen. Trockene Liegebereiche, ein gutes Stallklima und eine sinnvolle Aufteilung der Haltungsbereiche sind wichtige Voraussetzungen.

 

Bei der Planung sollten außerdem Möglichkeiten zur Absonderung einzelner Tiere, zur Ablammung und zur sicheren Behandlung und Fixierung berücksichtigt werden.

 

Gerade bei kräftigen Fleischziegen und ausgewachsenen Böcken ist eine sichere Gestaltung der Einrichtungen wichtig.

 

Weitere Informationen: 

 

 

 

Zucht und Fleischleistung

 

Bei der Zucht von Fleischziegen werden Tiere mit für die Fleischproduktion geeigneten Eigenschaften gezielt ausgewählt.

 

Dazu gehören unter anderem:

  • Körperbau und Bemuskelung,

  • Wachstum und tägliche Zunahmen,

  • Fruchtbarkeit,

  • Mutter- und Aufzuchtleistung,

  • Gesundheit und Robustheit,

  • korrekte Gliedmaßen und

  • ein zum jeweiligen Zuchtziel passendes Exterieur.

 

 

 

Fleischleistungsprüfung

 

Der Ziegenzuchtverband Bayern führt bei Fleischziegen eine Fleischleistungsprüfung durch. Dabei werden unter anderem Geburtsgewicht, Aufzuchtleistung und tägliche Zunahmen erfasst.

 

Die so gewonnenen Daten ermöglichen eine objektivere Beurteilung der Jungtiere und unterstützen die Auswahl geeigneter Zuchttiere. Sie fließen außerdem in die Zuchtbuchführung und die züchterische Arbeit ein. Beim ZVB steht insbesondere die Burenziege im Mittelpunkt der Fleischleistungsprüfung.

 

Damit wird deutlich: Fleischziegenzucht bedeutet nicht nur, besonders kräftige Tiere auszuwählen. 

Entscheidend ist die Kombination aus Leistungsfähigkeit, Gesundheit, Fruchtbarkeit, funktionellem Körperbau und guter Aufzuchtleistung.

 

Weitere Informationen: 

 

 

 

Zuchtböcke bewusst auswählen

 

Der Auswahl des Zuchtbocks kommt in jeder Ziegenherde eine besondere Bedeutung zu.

 

Ein Bock kann innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Nachkommen erzeugen und damit die Entwicklung einer Herde stark beeinflussen.

 

Neben Abstammung und züchterischer Eignung sollten deshalb insbesondere Gesundheit, Körperbau, Bemuskelung, Gliedmaßen, Fruchtbarkeit und die zum eigenen Zuchtziel passenden Leistungsmerkmale berücksichtigt werden.

 

Auch bei Fleischziegen sollte die Auswahl deshalb nicht allein nach dem äußeren Erscheinungsbild erfolgen. Leistungsdaten und Abstammungsinformationen können wichtige zusätzliche Entscheidungshilfen sein.

 

 

 

Besonderheiten gegenüber der Milchziegenhaltung

 

Milchziegen- und Fleischziegenhaltung unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Nutzungs- und Zuchtziele.

 

Bei Milchziegen steht die Erzeugung und Vermarktung von Milch im Mittelpunkt. Entsprechend spielen Milchleistung, Milchinhaltsstoffe, Eutergesundheit und Melkbarkeit eine besondere Rolle.

 

Bei Fleischziegen stehen dagegen insbesondere Wachstum, Bemuskelung, Körperbau, Aufzuchtleistung und die Eignung der Tiere für die Fleischproduktion im Vordergrund.

 

Daraus ergeben sich unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte:

 

MilchziegenFleischziegen
Milchproduktion als zentrales NutzungszielFleisch- und Zuchtleistung als zentrales Nutzungsziel
Milchleistung und Milchinhaltsstoffe wichtige LeistungsmerkmaleWachstum, Bemuskelung und tägliche Zunahmen wichtige Leistungsmerkmale
Euter, Eutergesundheit und Melkbarkeit besonders wichtigKörperbau, Bemuskelung und funktionelles Exterieur besonders wichtig
Milchgewinnung und -vermarktung bestimmen einen Teil der ArbeitsabläufeAufzucht, Wachstum und Vermarktung der Tiere bestimmen einen Teil der Arbeitsabläufe
Kitzaufzucht muss mit der Milchgewinnung und Milchvermarktung abgestimmt werdenKitzaufzucht wird insbesondere im Hinblick auf Wachstum, Zuchtziel und spätere Nutzung geplant

 

Diese Gegenüberstellung ist nicht als Wertung zu verstehen. Beide Nutzungsrichtungen stellen unterschiedliche Anforderungen an Halter und Betrieb.

 

Auch Fleischziegenhaltung kann einen erheblichen Arbeitsaufwand bedeuten – insbesondere während der Ablammzeit, bei der Kitzaufzucht, im Weidemanagement und bei der täglichen Tierkontrolle. Umgekehrt gehören Weidehaltung, Mutteraufzucht und die Nutzung von Ziegen zur Landschaftspflege keineswegs ausschließlich zur Fleischziegenhaltung.

 

Welche Nutzungsrichtung zum eigenen Betrieb passt, hängt deshalb von den persönlichen Vorstellungen, den vorhandenen Flächen, den betrieblichen Möglichkeiten, der verfügbaren Arbeitskraft und den Vermarktungsmöglichkeiten ab.

 

 

 

Für wen kann Fleischziegenhaltung interessant sein?

 

Fleischziegen können beispielsweise interessant sein für Halter, die

  • Ziegen zur Fleischproduktion halten möchten,

  • eine Mutterziegenherde aufbauen möchten,

  • Zuchttiere erzeugen möchten,

  • geeignete Weideflächen nutzen möchten,

  • Ziegen in der Landschaftspflege einsetzen möchten oder

  • verschiedene Ziele miteinander verbinden möchten.

 

Dabei sind diese Einsatzmöglichkeiten nicht auf Fleischziegen beschränkt. Auch Milchziegen und andere Ziegenrassen können – abhängig von ihren Eigenschaften und den betrieblichen Voraussetzungen – zur Beweidung, Landschaftspflege, Zucht oder Aufzucht eingesetzt werden.

 

Auch Kreuzungen können – abhängig vom jeweiligen Ziel – interessant sein. Wer dagegen gezielt Herdbuchzucht betreiben möchte, sollte sich frühzeitig mit dem jeweiligen Zuchtprogramm und den Anforderungen des Ziegenzuchtverbandes beschäftigen.

 

 

 

Gut geplant ist der beste Start

 

Die richtige Ziege hängt vom jeweiligen Vorhaben ab.

 

Die grundlegenden Anforderungen an eine tiergerechte Ziegenhaltung gelten unabhängig von der Nutzungsrichtung. Bei Fleischziegen verschieben sich jedoch die Schwerpunkte: Wachstum, Bemuskelung, Aufzuchtleistung, Gesundheit, Robustheit und die Eignung für das jeweilige Zucht- und Produktionsziel stehen stärker im Mittelpunkt.

 

Vor der Anschaffung sollte deshalb nicht nur die Frage „Welche Rasse gefällt mir?“ stehen, sondern vor allem:

Was möchte ich mit meinen Ziegen erreichen – und passen Tiere, Flächen, Haltungssystem, Arbeitsaufwand und Vermarktungsmöglichkeiten zu diesem Ziel?

 

Eine sorgfältige Planung und die Auswahl geeigneter Tiere schaffen die Grundlage für eine erfolgreiche und tiergerechte Fleischziegenhaltung.