Lehrfahrt des Ziegenzuchtverband Unterfranken 2011 nach Ungarn

Ungarn

Die diesjährige Lehrfahrt des Ziegenzuchtverbandes Unterfranken nach Ungarn führte den Vorsitzenden Rudolf Hock mit 50 Teilnehmern vom 24.08.-28.08.2011 in die südöstlich von Budapest gelegene Panonische Tiefebene. Teil nahmen auch der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Ziegenzüchter e.V., Herr Karl-Heinz Frank und viele Freunde der fränkischen Ziegenzucht aus ganz Bayern.

Am Mittwoch, 24.08.2011 erreichten wir nach einer langen Fahrt spätnachmittags unser Hotel in Ceglèd, einem kleinen Ort etwa 70 km südöstlich von Budapest gelegen.

Mit unserem ungarischen Reiseleiter Herrn Istvan Mozer starteten wir am nächsten Tag in Kiskunfèlegyhàza unsere erste Besichtigung. Auf dem Programm stand die Gallofarm, auf der wir sehr herzlich vom Betriebsleiter, Herrn Gallo und seiner Familie begrüßt wurden. Die Gallofarm ist ein ungarischer, biologisch wirtschaftender Familienbetrieb mit fünf Hektar, auf denen ein Großteil des Futters für die zurzeit ca. 70 Milchziegen der Rasse Bunte Deutsche Edelziege und acht Milchkühe gewonnen wird. Die gemolkene Milch wird jeden Tag am Betrieb zu Käse verarbeitet und anschließend auf Märkten in Budapest und Kecskemèt vermarktet. Beeindruckt hat uns die Tatsache, dass die vierköpfige Familie Gallo mit dieser Herdengröße und ihrer Selbstvermarktung ausschließlich von der Landwirtschaft leben kann.

Anschließend fuhren wir weiter westlich nach Izsàk zur Besichtigung des dort ansässigen Käsereibetriebes Alföldi Garabonciàs GmbH. Geschäftsführer Herr Csukàs berichtete uns, dass hier neben Kuh- auch Schaf- und Ziegenmilch verarbeitet wird. Die Firma kauft die Rohmilch von Hauswirtschaften der Puszta in der Gegend von Bugac auf und verarbeitet sie zu verschiedenen Käse- und Quarksorten, Molkeprodukten, Joghurt und unterschiedlichen Trinkmilchsorten.

Die zweite Station der Alföldi Garabonciàs GmbH stellte die nah gelegene betriebseigene Ziegenfarm mit ca. 500 Milchziegen dar, die neben den genannten örtlichen Kleinerzeugern ebenfalls Ziegenmilch an den Käsereibetrieb in Izsàk liefert. Betriebsleiter Herr Dr. Kàroly Sàfàr führte uns durch die Ziegenfarm, zu der eine Fläche von 300 ha gehört. Laut seiner Aussage sei dieser Ziegenbetrieb wohl einzigartig in seiner Größenordnung in Ungarn und er schätze, dass es auch nur etwa zehn Betriebe in Ungarn gäbe, die ähnlich groß seien wie die Gallofarm, die wir ein paar Stunden zuvor besichtigt hatten. Die restlichen ziegenhaltenden Betriebe seien kleine Hauswirtschaften.

Die letzte, jedoch nicht minder interessante Besichtigung an diesem Tag stellte die Firma Zwack mit angeschlossenem Museum in Kecskemèt dar. Das Familienunternehmen Zwack stellt verschiedene Schnäpse und Liköre her, wie beispielsweise den bekannten Kräuterlikör Unicum.

Am nächsten Tag stand im Südosten Budapests die Vorstellung der Firma Somasajt an. Somasajt hat sich auf die Herstellung von Molkekäsen spezialisiert. Käsesorten in verschiedenen Geschmacksrichtungen, wie beispielsweise Schnittlauch oder mit dem in Ungarn so beliebten Paprika werden hier verarbeitet und anschließend in Ungarn und in der Slowakei vertrieben.

Eine weitere Besonderheit dieses Betriebes ist der Aufkauf von Käsesorten von Kleinerzeugern, wie z. B. verschiedenster Schaf- und Ziegenkäse. Der Betrieb Somasajt übernimmt hier das Zerschneiden, Verpacken und Vermarkten der Produkte, was von den Kleinbauern gerne in Anspruch genommen wird, bedeutet sie doch eine Arbeitserleichterung zu fairen Preisen. Somasajt beliefert mit seinen Molkeprodukten mittlerweile die Hälfte der ungarischen Krankenhäuser. Grund hierfür ist das verstärkte Gesundheitsbewusstsein, die den fettarmen, eiweißhaltigen Molkekäse zu einem begehrten Produkt gemacht haben.

Gegen Mittag starteten wir eine Rundfahrt durch die Landeshauptstadt Budapest, einer der fraglos schönst gelegenen Städte Europas. Bei einer anschließenden Schiffsfahrt auf der Donau genossen wir bei herrlichem Sommerwetter den Ausblick auf die Stadt Budapest.
Auf dem Programm unseres vierten Lehrfahrttages stand im nordöstlichen Städtchen Eger, der Stadt der Trauben und des Weines und zugleich ein bekannter Kurort, die Fachbesichtigung des Schäfereibetriebes „Egri Margareta“ an. Der Betriebsleiter Herr Làszlo Nagy hat hier Teile einer alten Kolchose gepachtet, auf der er nun Schafe (ca. 1000 Tiere), Ziegen (ca. 150 Tiere), Schweine und Geflügel versorgt. Das Weideland für die Schafe und Ziegen von etwa 450 ha sei u. a. durch den Weinanbau zerstückelt, so-dass keine neue Weidetechnologie auf dem Betrieb eingesetzt wird und noch nach alter Tradition ein Hirte mit seinem Hund auch nachts bei den Schafen verweilt. Es gäbe in der Gegend außer streunenden Hunden oder Füchsen zudem keine Probleme mit großen Beutegreifern, so Nagy. Etwa 65 Milchziegen der Rassen Ungarische Landziege und Alpine-Ziege werden derzeit gemolken. Aus der Ziegen- und Schafsmilch stellt die Familie schließlich verschiedene Käsesorten wie Frischkäse, Camembert und Roquefortkäse her. Vermarktet werden die fertigen Produkte an Hotelketten und Restaurants sowie im hofeigenen Laden, in dem regelmäßig Wein- und Käseverkostungen angeboten werden.

Anschließend führte uns Reiseleiter Herr Mozer durch die Stadt Eger, bevor wir den Tag schließlich bei einer Weinprobe mit dem berühmten Rotwein „Egerer Stierblut“ ausklingen ließen.

Am Sonntag ging es wieder Richtung Heimat. Wir können nun auf fünf wundervolle, perfekt organisierte Tage zurückblicken, die nicht nur äußerst informativ waren, sondern uns auch landschaftlich wunderschöne Eindrücke vermittelten. – Ein herzliches Danke-schön noch einmal an alle, die mitgewirkt haben, insbesondere die Betriebsleiter und unseren ungarischen Reiseleiter Herrn Istvan Mozer!

Christine Reuter

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