Lehrfahrt der schwäbischen Ziegenzüchter 2011

„Auf Allgäutour“

Die Lehrfahrt des Verbandes schwäbischer Ziegenzüchter und –halter e.V. führte am 17. September 2011 dieses Mal ins Allgäu. Hatte es in aller Früh noch geregnet, klarte es zum Reisebeginn immer mehr auf und wir bekamen „Bilderbuchwetter“, das nicht besser hätte sein können.
Unser erstes Ziel war das Hirtenmuseum und Baschtlehaus (erstes Bild) in Ebenhofen bei Marktoberdorf. Über 40 Reiseteilnehmer jeden Alters, aufgeteilt in zwei Gruppen, wurden von Heinrich Maul und seinem Kollegen durch das Museum geführt. Bei vielen wurden Erinnerungen an die „gute alte Zeit“, wach, bei all den Gerätschaften und Utensilien, die liebevoll zusammengetragen waren (Bilder 2, 3, 4, 5). Den harten Arbeitsalltag kann man sich heute nicht mehr vorstellen und möchte auch heute keiner mehr haben! Es schadet aber auch nicht, zwischendurch wieder einmal daran erinnert zu werden, wie gut es uns heute geht, auch wenn wir das manchmal nicht glauben wollen!

Das Leben der Hirten war ein eigener Themenschwerpunkt dieses Museums. Wir erfuhren von der Allmende, der kollektiven Weidewirtschaft, die bis in das 12. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann und ihr Ende Anfang des 19. Jahrhunderts fand, dem kargen Lohn, mehr „Hungerlohn“ als Entschädigung mit all den Entbehrungen, die die Hirten erleben mussten. Außerhalb der Weidezeit im Winter mussten sie sich durch andere Tätigkeiten ihren Lebensunterhalt sichern. Über die Hirtenbruderschaft zum „Schwarzen Skapulier“ wurde berichtet,  ihre „ Kasse“, die verunglückte oder kranke Hirten zu unterstützen versuchte (Bilder 6, 7, 8, 9).
Wir hätten noch lange verweilen und Heini Maul zuhören können, der mit viel Herzblut leidenschaftlich und sehr kurzweilig erzählte und erklärte. Einige werden sicher wieder kommen, schauen und staunen und Heinis Worten lauschen ...

Zum Mittagessen ging es nach Bühl am Alpsee in das Gasthaus zum Alpsee von Franz Braun. Franz ist nicht nur Gastwirt, sondern auch ein sehr guten Zeichner und Maler, dessen Hauptmotive das landwirtschaftliche dörfliche Leben und die Tiere sind, die er mit großer Beobachtungsgabe sehr naturgenau darstellt. Viele seiner Bilder bereicherten unsere Jubiläumsausstellung 2010 im Museum Diepolz und einige sind auch auf unseren Internetseiten zu finden.

Weiter führte unsere Reise zu unserem Mitglied Herbert Summer, Oberstaufen-Wiedemansdorf, dem Thaler Geißenhof. Vor ein paar Jahren neu am Ortsrand, besser am Hang, erstellte er einen Stall für ca. 30 Ziegen mit Nachzucht und die Käserei. Vor drei Jahren hat er mit der Zucht der Thüringer Waldziegen begonnen und baut seine Herde kontinuierlich auf. Ein weiterer Betrieb aus der Nähe beliefert ihm noch mit Ziegenmilch für seine Käserei.
Beeindruckt waren wir alle über das von Herbert und seiner Frau Brigitte bis ins kleinste durchdachte Konzept, egal ob Stall, Käserei inklusive Vermarktung oder Ziegenzucht.

Für uns alles unverständlich, aber heute leider schon oft traurige Realität, dass sie, obwohl sie am Dorfrand im Allgäu wohnen, die Zustimmung aller Nachbarn zum Stallbau für die Ziegenhaltung benötigten. Eine dauerhafte Bockhaltung ist ebenfalls nicht möglich. Lediglich in der Deckzeit wird er wohl oder übel geduldet. Aber die Summers machen das Beste daraus und dazu allerbesten Ziegenkäse in höchster Qualität, der zur Verkostung und zum Kauf angeboten wurde.
Die Jungziegen sind am Hang in der Landschaftspflege, zeitweise „unterstützt“ noch von ein paar Jungrindern, um die stark verbuschten und verwilderten Fläche Zug um Zug wieder zu rekultivieren. (Bilder 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16)

Die zweite Betriebsbesichtigung führte uns zu Karolina und Franz Greber, Malleichen. Franz ist Vorsitzender der Oberallgäuer Schafhalter und Züchter von ca. 20 braunen und schwarzen Bergschafen mit Nachzucht, ihrer farbigen Wolle wegen.
Die Wolle steht im Mittelpunkt dieses Betriebes. Sie verarbeiten Wolle in ihrem Betrieb. Das Ehepaar Greber erläuterte uns sehr anschaulich in der Praxis diese „Wollveredelung“. Die Wolle, die vorher gewaschen und getrocknet werden muss (wird heute weggegeben), wird im ersten Verarbeitungsschritt, einem Gerät, „Wolf“ genannt, zerrissen (Beim Wolfen wird die Rohwolle von mit Zähnen bestückten Walzen zerrissen) und anschließend in einer anderen Maschine kardiert (wikipedia: Das Kardieren (auch kardätschen, krempeln, kratzen oder umgangssprachlich kämmen) dient im Prozess des Spinnens zur ersten Ausrichtung der losen Textilfasern zu einem Flor oder Vlies).

Anschließend zeigten uns Karolina und Franz wie durch das Filzen ein Hut hergestellt wird. Kardierte Wolle wird um eine Hutschablone gelegt und mit Seife und warmem Wasser wird die Wolle immer wieder gewalkt. Es dauert ca. eine Stunde, bis ein Hut entstanden ist.

Über ihren Hofladen und mit ihrem Stand verkaufen sie die verschiedensten Wollprodukte, von naturfarbenen Wollen über gefärbte, von Socken, Jacken, Hüten, Figuren bis zu den Fellen.
Ihre Schafe verkaufen sie zur Zucht oder geschlachtet an Privatkunden.

Am Hof werden verschiedene Kurse zur Wollverarbeitung angeboten.

(Bilder 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26)

In der gleich daneben idyllisch gelegenen Badwirtschaft Malleichen ließen wir den Tag bei Kaffee/Kuchen oder einer Brotzeit ausklingen (Bilder 27 und 28).

Mit vielen Eindrücken traten wir unsere Heimreise an. Gerade in den Bus eingestiegen, begann es nach wenigen Minuten zu regnen ...


(Rogg Rudolf, 19.09.2011)

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