Zusammenfassung (Einstieg in die Milchziegenhaltung)
Den Einstieg in die Milchziegenhaltung sollte man sich reiflich überlegen. Eine Flucht aus der Milchviehhaltung in die Ziegenmilchlieferung kann auch den Todesstoß für landwirtschaftlichen Betrieb bedeuten und die Existenz des Familienbetriebes kosten.
Vor allem ist der notwendige Arbeitsaufwand nicht zu
unterschätzen! Bei einer Umrechung auf GV (ein GV für bis zu 6 Ziegen) bedeutet
allein bei 25 GV sich mit ca. 150 Ziegen und deren Nachzucht (ca. 225 Kitze) zu
beschäftigen. Nach der Ablammung zeitweise über 300 Tiere wollen versorgt und
betreut sein. Diese Menge erfordert entsprechende Stallungen und großen
Arbeitseinsatz, der vom Betriebsehepaar allein in dieser Hochzeit der
Ablammungen kaum zu bewältigen ist. Gut, wer da noch auf die kostenlose Mithilfe
der Austragsbauern oder Kinder bauen kann.
Die Entscheidung für die Ziegenmilchlieferung und
Milchziegenhaltung heißt auch, daß man sich auf Gedeih und Verderb seiner
Molkerei ausliefert. Das ist dieser auch bewußt! Es ist deshalb um so wichtiger
in seiner Molkerei einen echten Vertragspartner zu haben .
Die Gewinnspannen in der Milchziegenhaltung sind gering.
Deshalb ist eine entsprechend große Herde (150 + x) mit einem hohen
Leistungspotential nötig, um wirtschaftlich arbeiten zu können.
Deshalb kommt dem Aufbau einer leistungsstarken Herde eine
große Bedeutung zu. Hier zu sparen ist der falsche Weg.
Von Anfang an sollen nur Tiere aus einem gesunden Bestand
mit Milchleistungsprüfung erworben werden .Der Bestand, aus dem die Tiere
(Kitze) erworben werden, muß CAE unverdächtig sein, frei von Brucelose und TBC
sein, frei von Pseudotuberkulose sein und auch sonst nicht von
Krankheiten/Seuchen befallen sein
Die Alttiere sollen eine gute Milchleistung
(Milchleistungsprüfung)aufweisen. Wenn möglich sollte der Betrieb die Tiere in
etwa so halten und füttern wie es künftig im neuen Betrieb geschieht.
Die Tiere soll man - soweit möglich - nur aus einem Stall
erwerben!
Je mehr man aus verschiedenen Betrieben erwirbt, je größer die Gefahr
der Einschleppung von Krankheiten, desto größer der Streß der Tiere bis die
Rangordnungen wieder feststehen. Je unterschiedlicher die Fütterungs- und
Haltungssysteme vorher waren, je problematischer die Anpassung der Tiere an die
künftige Haltung- und Fütterung. Je länger dauert es bis der Bestand
durchseucht ist und ein betriebs- spezifisches Immunsystem aufgebaut hat. Je
größer die Verluste und Leistungseinbußen.
Gute Zuchttiere aus einem gesunden Betrieb sind Basis (und
Garantie) für eine gute Milchleistung und Gesundheit der Herde!
Gesunde Tiere leisten mehr, bleiben länger im Einsatz,
bringen wieder gute Nachzucht!
Wenn möglich, sollte man- so das Beispiel - 50 weibliche
Kitze erwerben.
Diese 50 Kitze können im Jahr darauf erstmals gedeckt
werden. Im Frühjahr darauf erhält man ca. 75 Kitze von den Erstlingsmüttern.
Von den 75 Kitzen aus ersten eigenen Nachzucht kann man Sie etwa 50 % weibliche
Tiere (hoffentlich)erhalten. Diese 35 können im Jahr darauf ebenfalls gedeckt,
so daß man nach zwei Jahren etwa 85 laktierende Tiere hat.
Von diesen 85 erhält man etwa 60 weibliche Nachzucht, so
nach 3 Jahren im Idealfall ca. 145 laktierende Ziegen zur Verfügung stehen
(Ausfälle nicht einbezogen).
| Erwerb 2007 | 50 Kitze |
| 1. Nachzucht 2008 | 50 Mutterziegen und 35 Kitze |
| 2. Nachzucht 2009 | 85 Mutterziegen und 60 Kitze |
| 3. Nachzucht 2010 | 145 Mutterziegen und x Kitze |
| bei optimalem Verlauf. |
Diese drei bis vier Jahre ermöglichen es auch weitere
Erfahrungen zu sammeln, die Betriebsablaufe zu optimieren, kostengünstiger
durch viel Eigenleistung Stallungen und Einrichtungen der wachsenden
Herdengröße anzupassen, weitere Entscheidungen über die künftige Herdengröße zu
treffen.
Diese Zeit muß der Ziegenhalter aber auch finanziell
überbrückt können! (Die Aufnahme von Darlehen kann gefährlich sein!)
Die Zeit für eine größere Herde kann nur verkürzt werden, wenn man im ersten oder zweiten Nachzuchtjahr nochmals weibliche Kitze zukaufen kann, am besten aus dem gleichen Betrieb wie die ersten Kitze!
Für den Deckeinsatz sollen nur sehr gute Böcke (Zuchtwertklasse I und II; ca. 400,00 -1000,00 €) eingesetzt werden, eventuell auch bewährte Altböcke aus anderen Betrieben. Künstliche Besamungen haben oft nur Erfolgsquoten von 20 bis 40 % und ersparen den Bockeinsatz für die Belegung der anderen Tiere der Herde nicht.
Sehr gute Böcke versprechen am ehesten eine Nachzucht mit besten Leistungsmerkmalen! Eine schlechte Nachzucht verursacht genausoviel Aufzuchtkosten, aber schadet nur. Keine Leistungspotential, weniger Milch, weniger Geld! Nur gutes Tiermaterial garantiert die betriebliche Zukunft!
Bei 150 Ziegen muß man mit etwa 225 Kitzen rechnen (ca. 1,5
/Ziege). Es darf nicht unterschätzt werden welch hohen Einsatz an Arbeitskraft
und Finanzmittel dies erfordert, wie viel Platz benötigt wird.
In der Regel kommen nach einer Trockenstellphase innerhalb
ein paar Wochen alle Ziegen zum Lammen. Das heißt für den Betriebsinhaber Stalleinsatz
fast rund um die Uhr (Aufsammeln der Kitze, Markieren, Geburthilfe, Tränken,
Überwachung der Kitze, Versorgung der Alttiere und Kranken ...).
Jeder muß für seinen Betrieb festlegen, ob die Kitze noch
länger bei den Muttertieren bleiben oder sofort abgesetzt und mit der
lebensnotwenigen Biestmilch durch den Betriebsinhaber versorgt werden. Auch
gibt es verschiedene Kriterien für die Entscheidung zur Warm- oder Kalttränke.
In der Regel deckt der Schlachtpreis die Aufzuchtkosten nicht,
deshalb sollten die nicht benötigten Kitze schnellstmöglich verkauft werden.
Besser weniger Kitze versorgen und die dafür optimal. Nur die Kitze mit den
besten Abstammungen und Leistungen der Elterntiere in die eigene Zucht und
Aufzucht.
Beckstetten, den 28.10.2006, Rogg Rudolf, 1.Vorsitzeder, Ziegenzuchtverband
