Würmer bei Ziegen - Gezielte Entwurmung

Folgender Text wurde von Frau Dr. Miriam Scheuerle (Spezialistin Ziegen u. gezielte Entwurmung), der Tierärztlichen Fakultät, Veterinärwissenschaftliches Departement, Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie, Ludwig-Maximilians-Universität München - Kontakt Diagnostiklabor, Leopoldstr. 5, 80802 München - zur Verfügung gestellt.

Gezielte Entwurmung als Chance gegen zunehmende Resistenzen der Würmer

Alle Ziegen, die auf die Weide dürfen, haben Würmer. Ein Problem wird dies aber erst wenn der Befall zu stark wird oder wenn die Würmer nicht mehr auf eine Behandlung ansprechen. Leider werden gerade bei Ziegen in der letzten Zeit immer öfter Fälle von Resistenzen der Magen-Darm-Würmer gegen Wurmmittel bekannt. Um eine langfristig effiziente Haltung von Kleinwiederkäuern zu gewährleisten, dürfen Wurmmittel nicht mehr als einfache Routinelösung ohne Kontrolle genutzt werden. Die noch wirksamen und die wenigen neuen Wirkstoffe sind extrem wertvoll und müssen sinnvoll und sparsam eingesetzt werden. Deshalb müssen neue Methoden für die Wurmbekämpfung entwickelt und eingeführt werden.

Die Tatsache, dass meist nur 20-30% der Ziegen einer Herde eine Entwurmung benötigen, gibt uns einen Lösungsansatz. Internationale Experten sehen die „Gezielte Entwurmung“ als Chance gegen zunehmende Resistenzen der Würmer und als wichtigen Teil bei der neuartigen Parasitenbekämpfung. Bei dieser Strategie wird nicht die ganze Herde, sondern nur die Tiere, die wirklich eine Behandlung benötigen entwurmt, d.h. man behandelt gezielt einzelne Tiere. Um diese Tiere zu erkennen gibt es verschiedene Kriterien:

  1. Eiausscheidung (>300 EpG)
    Bei jedem Tier wird eine Kotuntersuchung durchgeführt. Nur die Ziegen mit einer Eiausscheidung von >300 Eiern pro Gramm Kot (EpG) werden entwurmt.
    Generell ist eine regelmäßige Kotuntersuchung (hier auch Sammelkotproben möglich) wichtig, um festzustellen welche Würmer im Bestand vorkommen und entsprechend zu handeln.
  2. Blutarmut (FAMACHA-Methode)
    Der Rote Magenwurm (Haemonchus contortus) saugt Blut im Darm; das führt bei starken Befall zu einer Blutarmut, die in der Schleimhaut des Auges erkennbar ist. Die FAMACHA-Methode bestimmt den Schweregrad der Blutarmut durch Vergleich mit einer Farbkarte. Nur Ziegen mit Kategorie 3-5 (blass – sehr blass) werden entwurmt. (siehe Abbildung 1 und Infoblatt).

    Abb. 1 FAMACHA-Karte Abb. 2: Anwendung FAMACHA
  3. Durchfall
    Andere Magen-Darm-Würmer verursachen Durchfall. Die Schwere des Befalls kann am Verschmutzungsgrad erkannt werden. Nur Tiere mit starker Kotverschmutzung werden entwurmt.
  4. Schlechter Ernährungs-/Allgemeinzustand
    Nur magere Tiere mit schlechtem Ernährungszustand und struppigem Fell werden entwurmt

In Beständen mit intensivem Management und guter Überwachung von Wachstum/Gewicht oder Milchleistung können diese Kriterien zur Entscheidung ob entwurmt werden soll herangezogen werden:

  1. Mangelnde Gewichtzunahme
    Tiere mit schlechtem Wachstum oder mangelnder Gewichtszunahme (z.B. Kümmerer) werden entwurmt.
  2. Abfall der Milchleistung
    Tiere, bei denen ein Rückgang der Milchleistung beobachtet wird, werden entwurmt.

Das gezielte Entwurmen (Ziegen doppelte Wiederkäuer-Dosis!) nach den obenstehenden Kriterien führt zu einer deutlichen Reduzierung der Entwurmungshäufigkeit, d.h. den Ziegen werden unnötige Entwurmungen erspart, es entstehen keine unnötigen Kosten und keine unnötige chemische Belastung der Umwelt. Gleichzeitig werden die Würmer nicht an die Wurmmittel gewöhnt. Die Wurmmittel bleiben so länger wirksam.

Das Wichtigste in Kürze:

1. Resistenzen der Würmer auf Wurmmittel werden häufiger
2. Nur 20-30% einer Ziegen- und Schafherde brauchen eine Entwurmung

- Viele Entwurmungen lassen sich einsparen
- kein unnötiger Gebrauch von chemischen Stoffen
- Reduzierung der Kosten

3. Grundlagen des gezielten Parasitenmanagements:

  • Erfassung der Parasitenpopulation/-arten (diagnostische Kotuntersuchung), d.h. welche Würmer kommen vor?
  • Erfassung des Resistenzstatus (Eizahlreduktionstest nach Entwurmung), d.h. welches Wurmmittel wirkt noch?
  • Angepasstes Weidemanagement
    richtige Dosierung (Ziegen doppelte Wiederkäuer-Dosis)
  • Quarantänemaßnahmen bei Zukäufen (Keine Einschleppung!)
  • Gezielte Behandlung von Einzeltieren oder Herdgruppen anhand von klinisch-diagnostischen Kriterien
Siehe dazu auch Infoblatt zur „Gezielte Entwurmung“:
application/pdf Infoblatt zur Gezielten Entwurmung.pdf (220,3 kB)

Parasitendiagnostik

Der Lehrstuhl für Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie in München bietet allen Tierärzten und Tierhaltern die Möglichkeit Proben von Klein- und Großtieren im Diagnostiklabor auf Parasitenbefall untersuchen zu lassen. Zusätzlich sind wir u.a. besonders interessiert an engagierten Ziegenbeständen. Wenn Sie Probleme mit Wurmbefall bei Ihren Ziegen haben oder mehr über die neuen Strategien zur „Gezielten Entwurmung“ wissen wollen, melden Sie sich einfach bei uns.
Wir bieten interessierten Tierärzten, Züchtern und Besitzern auch Fortbildungen zur „Gezielten Entwurmung“ und insbesondere zur FAMACHA©-Methode an.

Methodenspektrum Parasitenuntersuchung Ziege im Diagnostiklabor der LMU München:

  • Kombipaket-Wiederkäuer: Flotation, Sedimentation, Auswanderung (mind. 50 g Kot): Untersuchung auf Magen-Darm-Würmer, Kokzidien, Leberegel und Lungenwürmer;
  • Quantitativer Nachweis von Parasiteneiern/Oozysten (McMaster-Methode: Eizahl pro Gramm Kot);
  • Koprokultur zur Bestimmung von Nematodenlarven (mind. 50 g Kot, Dauer 12 Tage);
  • Nachweis von Haemonchus contortus-Eiern (Fluoreszenzmethode);